Spitzelaffäre : Kundera droht mit rechtlichen Schritten

Der Autor Milan Kundera hat mit rechtlichen Schritten gegen das Wochenmagazin "Respekt" gedroht. Das Magazin hatte behauptet, Kundera habe einen Anti-Kommunisten bei der Polizei angezeigt.

PragNach einem Bericht über seine angebliche Spitzel-Tätigkeit für die Sicherheitspolizei hat der Schriftsteller Milan Kundera ("Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins") eine Entschuldigung von dem tschechischen Wochenmagazin "Respekt" gefordert. Kundera werde von der tschechischen Künstleragentur Dilia vertreten und drohe auch mit rechtlichen Schritten, wie Radio Prag berichtete. "Respekt" hatte am 13. Oktober den weltbekannten Autor verdächtigt, im Jahr 1950 als Student einen Anti-Kommunisten bei der Polizei angezeigt zu haben. Kundera bestreitet die Vorwürfe, die internationale Aufmerksamkeit erregten.

Schriftstellerkollegen glauben Kundera

"Wir haben eine Beschwerde erhalten und unsere Anwälte beschäftigen sich damit", hieß es aus der Chefredaktion von "Respekt". Der Generaldirektor von Dilia, Jiri Srstka, sagte, Kundera erwarte eine Entschuldigung in "spezifischer Form". Details wollte er nicht nennen.

Der auf einer Polizeiakte basierende Enthüllungsartikel von "Respekt" war in Tschechien überwiegend als glaubwürdig angesehen worden. Auch das staatliche "Institut zur Untersuchung totalitärer Regime" (USTR) bestätigte mehrfach die Echtheit des belastenden Dokuments, das sich in den USTR-Archiven fand. Kunderas Dementi wurde hauptsächlich von internationalen Schriftstellerkollegen anerkannt. Der 79-Jährige war 1975 nach Frankreich emigriert. Mit seiner Heimat liegt er seitdem sowohl privat als auch künstlerisch im Clinch. (jg/dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben