Tipps für Autoren : Wie man einen Verlag für sein Buch findet

Das erste Buch ist fertig, jahrelang hat man heimlich geschrieben und ist mächtig stolz auf sein Werk. Aber wie schafft man es, einen Verlag zu finden? Gar nicht so einfach, gibt die Literaturagentin Astrid Poppenhusen zu. Denn die Branche ist kompliziert. Doch sie ist überzeugt: Gute Literatur setzt sich immer durch. Ein Interview.

Interview von Sylvia Vogt
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Literaturagentin Astrid Poppenhusen. -Foto: privat

Frau Poppenhusen, eine Freundin von mir hat einen Roman geschrieben und das Manuskript an unzählige Verlage geschickt. Sie bekam alle zurück, mal mit einem freundlichen Absagebrief, mal ohne. Was hat sie falsch gemacht?



Sie hat sich direkt an die Verlage gewandt. Nicht wenige Verlage prüfen nämlich gar nicht mehr selbst, vielleicht ohne es öffentlich zuzugeben, und gründlich prüfen die Manuskripte nur wenige. Man landet dann mit einem Werk in einem gewaltigen Stapel unverlangt eingesandter Manuskripte. Wenn sich das jemand anguckt, dann oft nur ein Praktikant.

In den Absagebriefen stand immer: Tolle Geschichte, hat uns super gefallen, aber passt leider nicht in unser Programm.

Genau. Pnip heißt das im Verlagswesen.

Wie bitte?

Pnip - Passt nicht ins Programm.

Eine Ausrede.

Doch, das kann durchaus stimmen. Aber auf diesem Weg bei einem Verlag zu landen, ist generell schwierig. Und es ist auch deshalb nicht empfehlenswert, weil man danach kaum noch bei einem Literaturagenten unterkommen kann.

Wieso das?

Wir können nur Autoren vertreten, die ihr Manuskript noch nicht an zwanzig dafür vielleicht geeignete Verlage geschickt haben, denn wir können es ja nicht noch mal dorthin schicken. Man sollte sich deshalb lieber direkt an einen Agenten wenden. In England und Amerika nehmen die Verlage übrigens Manuskripte nur noch an, wenn sie über einen Agenten kommen. Die Entwicklung geht auch bei uns dahin.

Woran erkennt man denn einen seriösen Agenten?

Zum Beispiel daran, dass er nur auf Erfolgshonorarbasis arbeitet. Die Autoren müssen also nichts im Voraus für seine Arbeit bezahlen. Ich habe sogar gehört, dass es Agenten geben soll, die an Druckkostenzuschussverlage vermitteln, bei denen sie selbst finanziell beteiligt sind, unglaublich, das geht natürlich auch nicht. Gute Agenten erkennt man darüber hinaus daran, dass sie selbst viele Jahre lang in verantwortungsvoller Position in Festanstellung in einem Verlag gearbeitet haben. Man sollte einen Agenten danach ruhig direkt fragen. Und man sollte sich anschauen, ob der Agent schon richtig erfolgreiche Bücher vertreten hat, zumindest dann, wenn er schon einige Jahre im Geschäft ist. Am besten recherchiert man erstmal gründlich im Internet.

Erfolgshonorar - was bedeutet das genau und wie hoch sollte das sein?

Seriös sind 15 Prozent. Mehr würde ich nicht bezahlen. Wenn der Agent einen Vertrag mit einem Verlag aushandelt, dann bekommt er 15 Prozent von allen Einkünften, die daraus entstehen. Die Verträge, die wir für die Autoren aushandeln, sind jedoch immer viel besser, als wenn sie der Autor allein aushandeln würde, so dass es für den Autor immer noch lukrativ ist, wenn er mit uns arbeitet.

Bekommen Sie auch Manuskripte unverlangt eingeschickt?

Ja. Allerdings bitten wir zunächst um eine Kontaktaufnahme und erste Informationen per email. Wenn wir dann eine Lektüre vereinbaren, dann lesen wir auch gründlich, was wir angefordert und erhalten haben.

Wie viele Anfragen bekommen Sie?

So zwischen fünf und zehn pro Tag.

Man schreibt Ihnen also eine E-Mail und versucht, sich darin so gut wie möglich zu verkaufen.

Nein, es geht gar nicht so sehr um das gut Verkaufen. Man muss ganz nüchtern schreiben, wer man selber ist, ein paar Sätze zum Inhalt, welche Verlage das Manuskript bereits gesehen haben und warum man das gerade schreiben wollte – wenn man dazu was sagen kann. Eine Autorin, die ich vertrete, hat zum Beispiel sehr erfolgreich einen Schafskrimi geschrieben.

Glennkill, der Bestseller von Leonie Swann.

Den hat sie wahrscheinlich einfach aus Spaß geschrieben. Aber das ist ja auch ein Grund. Wenn ich dann mehr lesen möchte, fordere ich einen ersten Teil des Manuskripts an.

Welche Themen haben denn derzeit gute Chancen? Eine Zeit lang waren ja besonders Twens und ihre Single-Probleme beliebt.

(lacht) Ja, das stimmt tatsächlich. Es kommt schon vor, dass Verlage zu mir sagen, sie hätten jetzt gern den nächsten Chick-Lit-Roman.

Hühner-Literatur?

Literatur über junge Singles, die auf der Suche nach Mister Right sind. Oder die Verlage wollen Krimis mit weiblichen Ermittlerinnen. Aber ich persönlich glaube nicht, dass es sinnvoll ist, sich als Autor an solchen Moden zu orientieren.

Warum nicht?

Erstens ändern die sich sehr schnell, und zweitens glaube ich nicht, dass man ein gutes Buch schreibt, wenn man auf so etwas achtet. Man schreibt gute Bücher, wenn man das Gefühl hat, man möchte ganz zwingend ein bestimmtes Buch schreiben. Und wenn es dann da ist, und es ist gut, dann wollen die Verlage das auch haben. Die haben ja auch nicht auf einen Schafskrimi gewartet. Aber als er da war, fanden ihn alle toll.

Wie kam denn Frau Swann zu Ihnen?

Das lief über eine private Empfehlung, sie wusste zu dem Zeitpunkt gar nicht, was literarische Agenturen sind. Aber auch von einer guten Empfehlung unabhängig lese ich Manuskripte erst einmal möglichst unvoreingenommen.

Und wie merken Sie, ob etwas eine gute Geschichte ist?

Wahrscheinlich genauso, wie Sie das auch tun würden. Ich schaue einfach, ob mich das fasziniert, ob ich mehr wissen möchte. Ich muss das Gefühl haben, irgendetwas ist daran originell, interessant, spannend, lustig, noch nie da gewesen, oder - schon da gewesen, aber hervorragend neu gemacht. Das sind auch oft intuitive Entscheidungen. Ich lese Manuskripte ebenso wie jeder aufmerksame und kritische Leser. Nur mit ein bißchen mehr Erfahrung.

Wie wichtig ist die Persönlichkeit und das Aussehen? Man konnte ja mal den Eindruck bekommen, hübsche junge Frauen aus Berlin-Mitte können jedes Buch verkaufen.

Manche sagen, dass sich gut aussehende Frauen und Männer besser vermarkten lassen. Aber das ist wirklich kein ernsthaftes Kriterium. Ein Autor sollte allerdings bereit sein, für Lesungen und Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung zu stehen.

Wieviele Autoren nehmen Sie denn an, wenn Sie täglich bis zu zehn Anfragen bekommen?

Leider habe ich in der letzten Zeit nur selten einen Autor angenommen, wobei ich gute Autoren natürlich suche. Ich selbst vertrete nur etwa 22 oder 23 Autoren. Aber wir haben auch nicht viel Zeit: Für die Autoren, die wir vertreten, tun wir sehr viel, wir vermitteln nicht nur den ersten Buchvertrag, sondern auch Übersetzungsrechte in andere Länder, Filmrechte und ähnliche sogenannte "Nebenrechte". Deshalb kann ich nur wenige Autoren vertreten. Wenn man von einem Agenten abgelehnt wird, sollte man sich deshalb nicht entmutigen lassen. Vielleicht hat man bei einem anderen Agenten bessere Chancen. Und generell glaube ich, dass sich gute Literatur immer durchsetzen wird.

Bringt es etwas, auf die Buchmesse zu fahren? Vielleicht könnte man dort ja Beziehungen knüpfen oder den Literaturbetrieb kennenlernen.

Wenn man sich dort umsehen will, kann man gern nach Frankfurt fahren. Aber zum Beziehungen-Knüpfen hat auf der Buchmesse eigentlich niemand Zeit. Wir als Agenten schon gar nicht. Wir haben vom Frühstück bis in die Nacht alle halbe Stunde Termine.

Mit einem Manuskript unterm Arm auf der Messe herumzulaufen und das dann erfolgreich loszuwerden – das ist also eine romantische Vorstellung?

Es wird jedenfalls niemand während der Messe etwas lesen. Zwar kommt es schon vor, dass Sie einen Lektor an einem Stand treffen können. Aber oft ist der auch nicht unbedingt dankbar, wenn er angesprochen wird, weil er auch jede Menge Termine hat - mit Autoren, die er bereits verlegt, mit uns Agenten und anderen Verlagsleuten zum Beispiel.

Haben Sie noch einen Tipp für junge Autoren?

Ich würde vielleicht versuchen, ein Stipendium zu bekommen. Das ist zwar auch nicht unbedingt eine Garantie für eine Veröffentlichung, und oft bekommt man geradezu leichter ein Stipendium als einen Verlagsvertrag. Aber es ist natürlich ein Einstieg, und man kann dadurch Leute in der Branche kennenlernen.

Es gibt ja auch diese Verlage, die damit werben, dass sie jedes Buch drucken. Was ist von denen zu halten?

Das würde ich nur als letzten Schritt machen. Eine Möglichkeit ist es aber. Dann sollten Sie sich einen Verlag suchen, bei dem man nur für das bezahlt, was der Verlag auch tut. Einige Bezahlverlage sind unseriös, man sollte sich da gründlich informieren.

Schreiben die Leute eigentlich noch viel?

Es schreiben wirklich sehr viele Leute. Das ist natürlich auch ein schönes Hobby. Nicht jeder wird dann bei einem großen Publikumsverlag veröffentlicht. Aber diesen Ehrgeiz muss man vielleicht auch nicht unbedingt haben, um gern und gut zu schreiben. Und manchem gelingt es vielleicht doch.


Astrid Poppenhusen ist literarische Agentin bei der Berliner Agentur Piper & Poppenhusen.

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