Literatur : Und täglich grüßt die Kirchturmuhr Sabine Ludwig über einen seltsamen Wunsch

Margit Lesemann

Eigentlich sind Sonntage ja eine schöne Sache, findet die elfjährige Frederike, da kann man ausschlafen und rumtrödeln – wenn, ja, wenn nicht im Kopf schon wieder der Alltag lauern würde. Am letzten Tag der Sommerferien ist das besonders schlimm. Der Ranzen ist noch nicht gepackt, das Zeugnis nicht unterschrieben, und in der verstaubten Schultasche findet sich auch noch ein steinhartes, angebissenes Schulbrot. „Ich wünsche mir, dass es niemals Montag wird“, denkt Freddy.

Zu ihrer Verblüffung wacht sie am nächsten Morgen wieder vom Läuten der Kirchenglocken auf. Seit wann läuten montags die Glocken? Außerdem ist es schon neun Uhr. Warum um alles in der Welt hat ihr Wecker nicht geklingelt? Es gibt nichts Schlimmeres, als am ersten Schultag zu spät zu kommen. Freddy hüpft aus dem Bett, doch ihre Eltern dösen noch. „Was soll denn diese Hektik?“ Während für alle anderen Normalität herrscht, hat sich für Freddy ein Wunsch erfüllt: Es ist wieder Sonntag. Und das passiert nicht nur ein Mal, wieder und wieder erlebt sie denselben Tag – ähnlich wie Phil Connors in dem Filmklassiker „Und täglich grüßt das Murmeltier“.

Die Geschichten der Berliner Autorin und Übersetzerin Sabine Ludwig bestechen durch die richtige Mischung aus Spannung und Heiterkeit. Gutes Lesefutter also. Wie in ihrem letzten Buch „Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft“ erweist sie sich als genaue Beobachterin des ganz alltäglichen Wahnsinns. Ausgesprochen lebendig erzählt sie von Freddys Familie, vom Vater, der nur noch seine Wachteln im Kopf hat, seit er sich auf die Teilnahme an der Fernsehshow „Deutschland sucht den Superkoch“ vorbereitet, von der Großmutter im Heim, die sich besser an die Kriegsjahre erinnert als an den gestrigen Tag, von der keifenden Nachbarin. Das alles liest man leicht und mit größtem Vergnügen, das alles hat hohen Wiedererkennungswert. Denn vieles von dem, was Freddy erlebt, sind Erfahrungen, die gleichaltrige Mädchen kennen.

Freddy hadert gerade mit sich und der Welt. Dass ihre ältere Schwester Mia eine alte Zicke ist, ist schon fies genug. Aber dass Freddy ihren Klassenkameraden Daniel, der doch mit ihr Eis essen gehen wollte, dann ausgerechnet mit Zoé, dem „Mausgesicht“, trifft und ihre beste Freundin Vero sie plötzlich abblitzen lässt, ist dann doch zu viel.

Bei aller Heiterkeit nimmt Sabine Ludwig die Gefühle der jungen Menschen ernst, zeigt auch, wie verletzlich sie sind. „Der 7. Sonntag im August“ ist ein sehr menschliches Buch, voller Wärme und Humor.

Wie die Schule dann irgendwann doch noch beginnt, das ist überraschend und sei hier nicht verraten. Aber Freddy hatte – gefangen in der Zeitschleife – einen anderen Blick auf sich, ihre Familie und ihre Freunde bekommen. Alles wird irgendwie klarer, erscheint nicht mehr so verwickelt. „Ich habe ein warmes Gefühl im Bauch, so ein Sonntagmorgenglockenläutengefühl, und das, obwohl heute Montag ist oder gerade weil heute Montag ist.“ Margit Lesemann







Sabine Ludwig:

Der 7. Sonntag im

August. Cecilie

Dressler Verlag,

Hamburg 2008. 220 Seiten. 13,90 Euro.

Ab zehn Jahren.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben