Urteil : Mutter von Maxim Billers Ex-Freundin bekommt kein Geld

Der Autor Maxim Biller hatte die Mutter seiner Ex-Freundin in dem Roman "Esra" als herrschsüchtige Person dargestellt und nicht genügend verfremdet - nach Meinung der Frau. Ihrer Forderung nach Schmerzensgeld entsprach der Bundesgerichtshof aber nicht: Die Freiheit der Kunst steht über dem Persönlichkeitsrecht.

Maxim Biller
Der Autor Maxim Biller. -Foto: ddp

KarlsruheDer Bundesgerichtshof (BGH) hat in dem seit fünf Jahren andauernden Rechtsstreit um das Verbot des Romans "Esra" von Maxim Biller ein abschließendes Urteil gefällt. Demnach kommt der Mutter der Ex-Freundin Billers kein eigener Verbotsanspruch gegen den Kölner Verlag Kiepenheuer & Witsch zu, wie der BGH am Dienstag entschied.

Das Bundesverfassungsgericht hatte den von einer Liebesbeziehung handelnden Roman im Oktober 2007 endgültig verboten, weil das Werk die Intimsphäre der in der Romanfigur "Esra" erkennbaren Ex-Freundin Billers verletze. Für deren Mutter, die in der Romanfigur Lale erkennbar ist, sah das Verfassungsgericht jedoch - anders als vorher der BGH - keinen Unterlassungsanspruch gegeben. Denn es genüge nicht festzustellen, dass Lale sehr negativ gezeichnet sei, um eine Verletzung des Persönlichkeitsrechts anzunehmen.

Kunstfreiheit gebührt Vorrang

Die Sache war in diesem Punkt an den BGH zurückverwiesen worden. Der kam nun nach erneuter Abwägung zu dem Ergebnis, dass bezüglich der Mutter der Kunstfreiheit der Vorrang gebührt. Die Verfremdung sei bei der Figur der Lale sehr viel deutlicher angelegt als bei der Figur der Esra. Die Beeinträchtigung des Persönlichkeitsrechts der Mutter - die in der Realität wie im Roman Trägerin des Alternativen Nobelpreises ist - sei "weniger schwerwiegend".

Ihre Erfolgsaussichten in dem Schadensersatzverfahren dürften damit stark gesunken sein. Sie fordert dort 50.000 Euro Schmerzensgeld. Biller und sein Verlag waren im Februar bereits zur Zahlung von 50.000 Euro an die Ex-Freundin des Autors verurteilt worden - wegen Verletzung ihres Persönlichkeitsrechts.

Das im Jahr 2003 erschienene Buch handelt von der schwierigen Liebesbeziehung zwischen Esra und dem Ich-Erzähler Adam, wobei auch Einzelheiten des Sexuallebens geschildert werden. Der Beziehung im Weg steht insbesondere Esras herrschsüchtige Mutter Lale. (AZ: VI ZR 252/07 - Urteil vom 10. Juni 2008) (kj/ddp)

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