US-Bestsellerautor : Literat Norman Mailer ist tot

Der Pulitzerpreisträger und Erfolgsautor Norman Mailer ist an einem Nierenversagen im Alter von 84 Jahren gestorben. In seinem letzten Werk beschäftigte er sich mit den Wurzeln des Bösen in der Natur von Adolf Hitler.

Norman Mailer
Patriot, Provokateur, Schriftstellerlegende: Norman Mailer ist mit 84 Jahren gestorben. -Foto: dpa

New York Der weltbekannte US-Schriftsteller Norman Mailer ist tot. Der zweifache Pulitzer-Preisträger starb in New York mit 84 Jahren an akutem Nierenversagen. Das bestätigte sein Assistent Dwayne Prickett. Mailer war einer der innovativsten und vielseitigsten Autoren Amerikas. Mit seinen provokanten Romanen, Essays und journalistischen Arbeiten sorgte er immer wieder auch für Widerspruch und Kritik. Die "New York Times" nannte ihn zu seinem 80. Geburtstag den "großen Alten der amerikanischen Literatur".

Mit zahlreichen privaten Skandalen galt der erbitterte Gegner von US-Präsident George W. Bush aber auch als "enfant terrible" der Schriftstellerzunft. Der schon lange gebrechliche Mailer war Mitte Oktober wegen akuter Atemprobleme in New York ins Krankenhaus gebracht worden. Die Ärzte entfernten Narbengewebe an der Lunge, nach Angaben eines Sprechers hatte er sich zunächst gut erholt. Die Familie teilte mit "großer Trauer" mit, Mailer sei am frühen Morgen im Mount Sinai Krankenhaus in New York gestorben.

Mailer verteidigte Grass

US-Medienberichten zufolge war die Familie am Vorabend noch bei ihm, einer seiner Söhne war am Krankenbett, als Mailer starb. Noch im Sommer hatte der Schriftsteller bei einer Podiumsdiskussion in New York den deutschen Literaturnobelpreisträger Günter Grass leidenschaftlich gegen Kritik an dessen kurzzeitiger Zugehörigkeit zur Waffen-SS verteidigt. Er könne sich vorstellen, dass er in einer vergleichbaren Situation ebenfalls zu dieser umstrittenen Einheit gegangen wäre, sagte er damals.

Der 1923 als Sohn jüdischer Einwanderer im Ostküstenstaat New Jersey geborene Mailer war schon mit seinem Erstlingsroman "Die Nackten und die Toten" (1948) weltberühmt geworden. Das Buch, in dem er seine Kriegserfahrungen verarbeitet, wurde in fast alle Sprachen übersetzt und war einer der größten internationalen Bestseller der Nachkriegszeit. In den 1960er und 1970er Jahren setzte Mailer mit einer neuen Form des Journalismus Maßstäbe. Die Verknüpfung aktueller Ereignisse mit autobiografischem Material und politischen Kommentaren in der Reportage "Heere aus der Nacht" brachte ihm 1969 den ersten Pulitzer- Preis. Den zweiten erhielt er 1980 für seinen Bericht "Gnadenlos - Das Lied vom Henker" über den Doppelmörder Garry Gilmore. Bis zuletzt wurde er immer wieder als möglicher Kandidat für den Literaturnobelpreis gehandelt.

Vielseitiges Autorenwerk

Kaum ein anderer US-Autor hat ein so breites und vielseitiges Werk vorgelegt wie Mailer. Seine Themen waren Krieg und Frieden, Gott und Teufel, Sex und Gewalt - und immer wieder die kritische Auseinandersetzung mit dem "Amerikanischen Traum" und seiner oft mangelhaften Umsetzung in der Praxis. Zu seinen bekanntesten Werken gehören "Der Albtraum" (1964), "Frühe Nächte" (1983) und "Gespenster. Die geheimen Mächte" (1992). Für Aufsehen sorgte seine Jesus- Biografie, in der er das Leben des Gottessohnes in Ich-Form erzählt.

In Deutschland erschien zuletzt der Roman "Das Schloss im Wald" (2007) - ein Versuch, die Wurzeln des Bösen in der Natur von Adolf Hitler zu ergründen. Immer wieder sorgte der polemische Rebell auch politisch für Furore. 1967 wurde er für seine Teilnahme an einer Demonstration gegen den Vietnamkrieg verhaftet. Er legte sich lautstark mit der Frauenbewegung an, und kämpfte bis zuletzt entschieden gegen Präsident Bush und den Irak-Krieg. Mailer war sechs Mal verheiratet und hatte neun Kinder. Seine zweite Frau verletzte er im Jahr 1960 schwer betrunken mit einem Messer. Nur weil sie bei der Polizei nicht gegen ihn aussagen wollte, kam er mit einer Bewährungsstrafe davon. Über sein Lebenskonzept war er sich immer sicher: "Ich wusste, dass es eine Sache gibt, die ich wirklich will - und das war zu schreiben." (mit dpa)

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