Völkerschlacht 1813 : Lesend ins Getümmel

Sabine Ebert setzt der Völkerschlacht 1813 nach vielen Recherchen ein literarisches Denkmal.

Anja Brandt
Schriftstellerin Sabine Ebert.
Schriftstellerin Sabine Ebert.Foto: dapd

Sabine Ebert, Bestsellerautorin der „Hebammen“-Romansaga, ist zum Schreiben ihres neuen Romans nach Leipzig gezogen. Darin soll es um die Völkerschlacht gehen, die sich 2013 zum zweihundertsten Mal jährt. Bei dem Ereignis kämpften die Verbündeten Preußen, Österreich, russisches Kaiserreich und Schweden erfolgreich gegen die Truppen Napoleons – es wurde die Entscheidungsschlacht gegen die Fremdherrschaft.

Die Schriftstellerin sieht die Szenen jenes Oktobers des Jahres 1813 in brutaler Schärfe vor ihrem inneren Auge, wenn sie aus einem der großen Fenster ihrer Dreizimmerwohnung im dritten Stock auf die Straßen Leipzigs hinunterblickt: Kanonen dröhnen, dichte Rauchschwaden wabern, Menschen irren durch die Gassen, hungrig, verzweifelt, voller Todesangst. Vor den Mauern ihrer Stadt tragen Hundertschaften eine der wichtigsten Schlachten der deutschen Geschichte aus. Menschen töten und werden getötet. „Es war das Grauen“, sagt Ebert.

Ihr neues Buchprojekt verdankt sie dem „Verband Jahrfeier Völkerschlacht 1813“. Vertreter der Verbandes fragten sie, ob sie einen Roman über die Völkerschlacht schreiben wolle. „Die Völkerschlacht ist bei der Auseinandersetzung mit den Befreiungskriegen unterrepräsentiert, und das, obwohl sie die größte Schlacht bis zum Ersten Weltkrieg war“, sagt Ebert, und so sagte sie dem Verband zu. Der unterstützt sie mit Tagebüchern, Augenzeugenberichten und stellt Kontakte zu Historikern her. Die Quellen helfen Ebert, sich in die Zeit zu versetzen. 

Dennoch schreibt sich so ein Buch auch für eine gelernte Journalistin wie Sabine Ebert, die 1990 die erste unabhängige Zeitung in ihrer Wahlheimat Freiberg/Sachsen mitbegründete, nicht von selbst. Und so verwarf sie auch schnell die Idee, nach Leipzig zu pendeln, und nahm hier schließlich ihre Wohnung – mitten in der Altstadt. „Hier kann ich direkt an die Orte gehen, von denen ich lese, die Sichtachsen nachvollziehen.“ Da Ebert an den Grundsatz „Man sieht nur, was man weiß“ glaubt, liest sie. Stunde um Stunde. Tausende Seiten stapeln sich auf ihrem Schreibtisch. So bauen sich in ihrem Kopf Szenen auf, nach und nach. „Jeder hat auf dem Schlachtfeld für irgendetwas gekämpft, für mehr Bürgerrechte oder ein einiges Vaterland, doch alle Hoffnungen wurden zerschlagen.“

Neben den politischen Hintergründen will Ebert erzählen, welche Auswirkungen politische Entscheidungen auf „die kleinen Leute“ hatten. „Die Augenzeugenberichte von damals sind kaum zu ertragen“, sagt Ebert. Bereits Wochen vor der Schlacht seien die Vorräte in der Stadt erschöpft gewesen; nach der Schlacht stapelten sich Leichenberge vor den Toren. In den biografischen Aufzeichnungen, die überwiegend von einfachen Leuten aus dem Mittelstand stammen, stößt Ebert auf „mutige und spannende“ Menschen. Dass die Geschichte auch aus deren Perspektive erzählt wird, sei längst überfällig, sagt sie. Natürlich gebe es auch eine ganze Liste historischer Figuren, die in einem Roman ihren Auftritt haben müssen. Ebert möchte, dass die Leser jenes zeitlich ferne „Grauen“ der Völkerschlacht „mit dem Verstand und Gefühl“ erfassen. Ein Roman sei dafür gut geeignet, und zu diesem Thema gibt es ihn erstaunlicherweise bisher nicht – im Gegensatz zu vielen Sachbüchern.

Sabine Ebert wurde in Aschersleben geboren und ist in Berlin aufgewachsen. Nach einem journalistischen Volontariat und Lateinamerikastudium arbeitete sie freiberuflich als Journalistin. In dieser Zeit ist sie auch ins sächsische Freiberg gezogen. „Mich hat beeindruckt, wie eng die Sachsen mit ihrer Geschichte verbunden sind.“ Ebert setzte sich mit dem Zeitabschnitt der Siedlerzüge und den ersten Silberfunden auseinander. „Ich fand es schade, dass kaum Romane über diese Zeit vorlagen.“ Aus dem geplanten einen Hebammen-Roman wurden schließlich fünf. „Die Geschichte entwickelte eine Eigendynamik, sie überrollte mich.“

So könnte es Ebert mit ihrem Völkerschlacht-Projekt erneut gehen. „Es wird mich noch Jahre beschäftigen“, sagt die Autorin. Wenn sich der historische Pulverdampf über dem Schreibtisch von Sabine Ebert verzogen hat, will sie sich vom „wunderbarem Flair und der Weltoffenheit“ Leipzigs begeistern lassen. Im Hier und Heute. Anja Brandt

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