Literatur : Von Brecht zu den Bertinis

Analytischer Aufklärer: Egon Monks Memoiren

Katrin Hillgruber

Am 28. Februar dieses Jahres starb der Regisseur Egon Monk. Am Tag zuvor hatte er seine Memoiren „Regie Egon Monk. Von Puntila zu den Bertinis“ abgeschlossen. Sie setzen mit den Märchen von Hans Christian Andersen ein, die zu dem Brecht-Schüler und analytischen Aufklärer Monk nicht recht zu passen scheinen. Sein älterer Bruder Harry hatte die Märchenhefte eines Tages aus der Lackfabrik mitgebracht, in der er zur Lehre ging. So machte das Arbeiterkind aus dem Wedding Bekanntschaft mit Andersens Kunst der Anfänge. Sein Bruder fiel im Kaukasus; der 15-jährige Egon wurde 1943 als Luftwaffenhelfer eingezogen. Schon im ersten Kriegswinter sei er kinosüchtig geworden, so Monk.

Nach dem Krieg besuchte er eine Schauspielschule, obwohl er selbst nicht gern auftrat. An der Volksbühne Berlin konzipierte Monk eine „Stunde für Bert Brecht“, mit der er und seine Mitstreiter in Betrieben gastierten und für Verblüffung sorgten: Die Belegschaft erwartete einen bunten Abend und bekam politische Kunst. Geduldiges, unablässiges Erklären: Diese Art der Schauspielerführung übernahm Egon Monk von seinem Lehrmeister Brecht, dem er nach dessen Rückkehr aus dem Schweizer Exil im Ost-Berliner Künstlerclub „Möwe“ begegnete. Offensichtlich hatte Brecht in dem analytisch begabten Monk bald seinen idealen Assistenten gefunden. „Monk sagt“ wurde zum geflügelten Wort. Allmählich aber erodierte das enge Verhältnis: Monk verstand Brechts Linientreue zur SED oft nicht. Es kam zum Krach. Im April 1953 verließ Monk Ost-Berlin; 1957 ging er nach Hamburg, um beim NDR als Hörspielregisseur zu arbeiten und später die Fernsehspielabteilung aufzubauen.

Beispielhaft bleiben seine Fernseharbeiten der sechziger Jahre wie „Wilhelmsburger Freitag“ oder „Ein Tag“, ein Film, der ungeschönt realistisch den Tagesablauf in einem KZ vorführt. Sie bescherten dem jungen Medium einen ungeahnten aufklärerischen und ästhetischen Mehrwert. Monks historische Mehrteiler wie „Die Geschwister Oppermann“ oder „Die Bertinis“ kamen im Gegensatz zu heutigen Geschichtsdramen wie „Dresden“ oder kürzlich „Die Flucht“ ohne Kitsch und Pathos aus – Monk ging es um authentische Zeitgenossenschaft.

Egon Monk, Rainer Nitsche: Regie Egon Monk. Von Puntila zu den Bertinis. Transit Buchverlag, Berlin 2007. 237 S., 18, 80 €

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