Walter-Hasenclever-Literaturpreis : Christoph Hein ausgezeichnet

Nach Uwe Tellkamp erhält nun ein weiterer "poetischer Chronist" der untergegangenen DDR eine wichtige literarische Auszeichnung. Christoph Heins Werk zeichne sich durch Vielseitigkeit, Engagement und einen souveränen Umgang mit traditionellen und avancierten literarischen Techniken aus, heißt es in der Begründung.

Christoph Hein
Der literarische Durchbruch gelang Christoph Hein 1983 mit der Novelle "Drachenblut". -Foto: dpa

AachenDer Schriftsteller Christoph Hein ist am Sonntag mit dem Walter-Hasenclever-Literaturpreis der Stadt Aachen ausgezeichnet worden. Das teilte ein Sprecher der Stadtverwaltung mit. Mit einem Preisgeld von 20.000 Euro zählt die Auszeichnung zu den höchstdotierten deutschen Literaturpreisen. Sie wird alle zwei Jahre verliehen. Zu den bisherigen Preisträgern gehören Peter Rühmkorf, George Tabori, Oskar Pastior und Herta Müller.

Die Jury hatte die Auszeichnung für Hein mit "der Vielseitigkeit seines Werkes, der Zeitbezogenheit seines dramatischen und
erzählerischen Schaffens und dem gesellschaftlichen Engagement seines Schreibens" begründet. "Sowohl in seiner Dramatik als auch in seinen erzählenden Werken dokumentiert sich Heins souveräner Umgang mit traditionellen und avancierten literarischen Techniken." Als Essayist habe Hein zu aktuellen literarischen und kulturellen Tendenzen scharfsichtig Stellung bezogen, hieß es in der Begründung. Damit verkörpere Hein "den Typus eines Autors, der mit dem Namensgeber des Preises zahlreiche Berührungspunkte aufweist".

Seismograph des Untergangs

Der 1944 geborene Hein ist vor allem als Erzähler, Dramatiker und Essayist hervorgetreten. Er wuchs in der DDR auf. Nach Abitur und Studium der Philosophie wurde Hein 1971 Dramaturg an der Ostberliner Volksbühne. Seit 1979 lebt er als freier Schriftsteller in Berlin. Das literarische Werk Hein umfasst mehr als 25 Bücher. Der Durchbruch gelang ihm 1983 mit der Novelle "Drachenblut". Von 1998 bis 2000 war er der erste Präsident des gesamtdeutschen PEN-Clubs. Der in Berlin lebende Schriftsteller gilt als poetischer Chronist der DDR und früher Seismograph ihres Untergangs. Sein erster Roman "Horns Ende" (1985) über den Stalinismus der frühen DDR oder "Der Tangospieler" (1989) über den Stasi-Alptraum der späten DDR wurden in Ostdeutschland unter der Hand weitergereicht.

Walter Hasenclever wurde am 8. Juli 1890 in Aachen geboren. Mit seinen Schauspielen zählte er zeitweise zu den meist gespielten Dramatikern des deutschen Sprachraumes. Seine Werke wurden 1933 in Deutschland verboten. Hasenclever nahm sich am 21. Juni 1940 in einem südfranzösischen Internierungslager das Leben. (ah/ddp/dpa)

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