Literatur : Wenn aus Zeichen Bilder werden Unterwegs zu sich selbst

Holly Jane Rahlens über Teenagerleben in Amerika

Margit Lesemann D

Wer in China gebildet ist, kennt mindestens drei- bis viertausend Schriftzeichen. Für Europäer eine unglaubliche Vorstellung. Dass man mit den Schriftzeichen auch Spaß haben und ganz einfache Geschichten erzählen kann, zeigt der Grafiker Christoph Niemann, der seit elf Jahren in New York arbeitet. Sein visuelles Gedächtnis hat ihm geholfen, sich bei einem Asienaufenthalt ein paar Schriftzeichen zu merken, vor allem die, die vom realen Vorbild abgeleitet sind. Niemann erzählt in ganz reduzierten Bildern die Geschichte von Lin und ihrem kleinen Drachen, mit dem sie allerlei Abenteuer erlebt, bis der Drache eines Tages verschwunden ist. In die einzelnen Figuren sind die Schriftzeichen wie ein Skelett eingebaut. Unten auf der Seite werden Begriff und Zeichen wiederholt. So entsteht ein lockeres Spiel mit Sprache und Schrift, an dem Kinder und Eltern ihre Freude haben werden. R.B.

Christoph Niemann: Der kleine Drache. Eine Geschichte von Freundschaft und chinesischen Schiftzeichen. Aus dem Amerikanischen von Nicola Stuart. Verlagshaus Jacoby & Stuart, Berlin 2008. 34 Seiten. 12,90 Euro. Ab fünf Jahren.

New York, zu Beginn der 60er Jahre. Im Leben von Susie B. Scheinwald dreht sich alles um ihre besten Freundinnen, um Popmusik und natürlich um Jungs. Die 13-Jährige ist total verknallt in den Kapitän der Basketballmanschaft, Mark „Lover Boy“ Lieberman, den begehrtesten Jungen der Junior High School. Wenn er sie nur anschaut, hat sie ein „goldenes Gefühl“, das sich wie Honig langsam in ihrem Magen ausbreitet. Um an Mark heranzukommen bewirbt sie sich um den frei gewordenen Platz in der Cheerleader Mannschaft – unterstützt von ihren besten Freundinnen Judy, Elaine und Becky. Die vier sehr unterschiedlichen Mädchen, die „Nameoke Knockouts“ wie sie sich nennen, leben in Far Rockaway, irgendwo am südöstlichsten Zipfel des Stadtteils Queens und sie sind immer mit ihrem Transistorradio unterwegs.

Falls es doch einmal Ärger geben sollte, bleiben der Leseratte Susie noch ihre Bücher. „Bücher sind wie gute Freundinnen, mit denen ich mich ganz spontan verabreden kann.“ Und sie haben noch einen großen Vorteil: Sie flirten nicht mit den Jungs, die man selbst auch gut findet.

Holly-Jane Rahlens, die Wahlberlinerin, die in New York aufwuchs, lässt Susie ihre Geschichte mit einem Abstand von gut 40 Jahren erzählen, selbstbewusst und voller Humor. „Mein kleines großes Leben“ ist ihr fünfter Roman. Für ihr Buch „Prinz William, Maximilian Minsky und ich“, das 2007 ins Kino kam, wurde sie vor fünf Jahren mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. In ihrem neuen Buch erzählt Rahlens auch ein Stück Zeit- und Musikgeschichte. Es ist großartig, wie sie die Atmosphäre einfängt und doch zeigt, wie ähnlich die Dinge bis heute sind, die das Leben einer 13-Jährigen so anstrengend und aufregend machen.

Krach mit den Eltern, langweilige Sonntage, Liebe, Eifersucht, Frisur- und Kleidersorgen, auch Susie hat es nicht leicht. Ihre Eltern haben große finanzielle Sorgen und geraten ständig in Streit. „Ich war mal ein hübsches Kind, aber jetzt spielen meine Haare verrückt.“ Außerdem hadert sie gerade mit ihrem Aussehen. Ihre Hüften wachsen schneller als ihr Busen, auf der Stirn sprießen Pickel und die Nase ist auch zu groß geraten. Und dann muss sie ständig diese klobigen orthopädischen Schuhe tragen. Wie soll man da ein kesser Cheerleader werden? Du musst fest an dich glauben, lautet der Zauberspruch.

Susie wird in die Mannschaft aufgenommen und Mark verabredet sich tatsächlich mit ihr. Doch wie so oft bei Rahlens lernen die Leser, dass im Leben nicht immer alles glatt geht. Am Tag der ersten Verabredung kommt es nämlich ganz anders als erwartet. Die Welt besteht eben nicht nur aus Musik und den Sternen am Himmel. Wer herausfinden will, wer er ist, muss sich auseinandersetzen mit sich, mit seinen Mitmenschen, mit der Welt. Ein unterhaltsamer Roman für junge Mädchen und ihre besten Freundinnen und für alle, die immer noch „Be My Baby“ von den Ronettes mitsingen oder „And Then He Kissed Me“ von den Crystals. Margit Lesemann

Holly-Jane Rahlens: Mein kleines großes Leben. Rowohlt

Verlag, Hamburg 2008. 270 Seiten.

12,95 Euro.

Ab zwölf Jahren

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