Literatur : Wenn Oma sich nicht mehr richtig erinnert

„Ich merkte, dass sie mich nicht verstand. Sie sah mich genau an. „Sag mal, wer bist du eigentlich?“, fragte sie. „Hast du keine Eltern?“ Sie wusste nicht wer ich war. Und sie wusste nicht, was das Bäckerauto war. Dabei war das doch das Wichtigste am ganzen Donnerstag.“ So steht es in Ulf Nilssons schmalem Buch „Als Oma seltsam wurde“. Die Rituale des eingespielten Lebens zwischen der Oma und dem sechsjährigen Enkel funktionieren nicht mehr, von einem auf den anderen Tag. Sie erkennt den Bäcker nicht mehr, der jede Woche das Brot zu dem abgelegenen Hause bringt, sie weiß nicht, wer ihr Enkel ist, glaubt ihren Sohn in ihm zu sehen und denkt, dass alle Welt sie um ihr Geld betrügen will. Der Junge ahnt, dass mit der Oma etwas nicht stimmt, aber er hat sich vorgenommen, seine Oma zu beschützen.

Ulf Nilsson weiß, wovon er spricht, denn er hat das als Kind in der eigenen Familie erlebt, bei seiner Oma und später bei seiner Mutter, die ebenfalls ihr Geld überall versteckt hat aus Angst vor Diebstahl. Manchmal hilft noch die Medizin, aber die Krankheit ist hartnäckig. Man muss vorbereitet sein. Nilsson findet den richtigen Ton, um Kinder darauf vorzubereiten, was geschehen kann. R.B.

Ulf Nilsson / Eva Eriksson: Als Oma seltsam wurde.

Bilderbuch. Aus dem

Schwedischen von Ole Könnecke. Moritz

Verlag, Frankfurt am Main 2008. 40 Seiten. 12,80 Euro. Ab vier Jahren.

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