Zum Start des Kinofilms mit Petterson und Findus : Sven Nordqvist kriegt Besuch

Bei Sven Nordqvist sieht es aus wie in dem kleinen, roten Haus, wo Petterson und der Kater Findus wohnen. Zum Filmstart von "Petterson und Findus - Kleiner Quälgeist, große Freundschaft" durften wir uns dort umsehen.

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In Sven Nordqvists Wohnung stehen überall kleine Figuren und Dinge herum. Es könnten auch ein paar Mucklas darunter sein. Foto: Leif R. Jansson/TT
In Sven Nordqvists Wohnung stehen überall kleine Figuren und Dinge herum. Es könnten auch ein paar Mucklas darunter sein.Foto: Leif R. Jansson/TT

Sven Nordqvist ist groß, hat graue Haare und eine runde Brille, und wenn er Besuch kriegt, kocht er Kaffee. Nicht so einen wie Petterson in dem neuen Film „Petterson und Findus – Kleiner Quälgeist, große Freundschaft“. Der ist so fies, dass man noch nicht mal einen Unterschied schmeckt, wenn ein Huhn reinkackt.

Der Kaffee von Sven Nordqvist ist richtig stark. Während wir uns unterhalten, sitzen wir in seiner Wohnung mitten in der schwedischen Hauptstadt Stockholm, umgeben von Büchern und schwarzweißen Bildern in ovalen Rahmen. Überall lugen kleine Figuren oder Dinge hervor: altertümliche Puppen, bunte Masken, ein Vogelbauer ohne Vogel. Es könnten auch ein paar Mucklas dazwischen sein. Schließlich hat Sven Nordqvist nicht nur Petterson und Findus, sondern auch die kleinen Viecher erfunden, die in seinen Büchern in allen Ecken sitzen.

Wenn er fremde Menschen treffen muss, tritt Sven Nordqvist von einem Fuß auf den anderen wie ein schüchterner Junge. Er mag es auch nicht besonders, gefragt zu werden, ob Petterson eigentlich er selbst ist. Die Frage hat er bestimmt sehr oft gehört in den 30 Jahren, seit „Eine Geburtstagstorte für die Katze“ als erstes Petterson-und-Findus-Buch erschien. Damals waren seine beiden Söhne noch klein. Der größere, Jesper, hat ihn auf viele Ideen für Findus gebracht.

Hier sieht es aus wie bei Petterson in der Werkstatt - nur aufgeräumter

Woher einige andere Ideen kommen, kann man in seiner Wohnung sehen. Am Eingang sitzt ein Rieseninsekt an der Wand, das interessanterweise nicht eklig wirkt, sondern drollig. Darunter hängt eine schielende Flunder. Sie sieht aus wie einer der Fische, mit denen Findus in „Armer Petterson“ spielt, um den Alten dazu zu kriegen, mit ihm angeln zu gehen.

Und erst das Arbeitszimmer! Stapel von Papier, Pappmodelle eines prächtigen alten Theaters und einer Ritterburg, Werkzeug, Malzeug, ein Globus, ein ausgestopfter Bussard mit einem grünen Findus-Mützchen auf dem Kopf – hier sieht es wahrhaftig aus wie bei Petterson, nur aufgeräumter.

Sven Nordqvist zeichnet am Stehpult. Foto: Leif R.Jansson/TT
Sven Nordqvist zeichnet am Stehpult.Foto: Leif R.Jansson/TT

An seinem Stehpult zeichnet Sven Nordqvist, die linke Hand in der Jackentasche. Das Zeichnen hat er sich mehr oder weniger selbst beigebracht: „Ein Kurs mit zwölf, einer mit 18 – der Rest ist Übung.“ Eigentlich wollte er immer auf andere Weise malen als in den Büchern über den Alten und seinen Kater: „Ehrlich gesagt, habe ich nach neuen Ideen gesucht. Wenn das nicht klappte, machte ich wieder ein Buch über Petterson und Findus.“ Und nach einer Weile sagt er dann von selbst: „Petterson und ich sind uns so ähnlich. Ich bin gerne in dem kleinen roten Haus, das ist ein großer Teil von mir.“

Weil besonders deutsche Kinder Petterson und Findus lieben, wurde hier auch der erste Film über sie mit richtigen Schauspielern gedreht. Ulrich Noethen, den manche Kinder bestimmt als Herrn Taschenbier aus den „Sams“-Filmen kennen, spielt einen sehr vergnügten Petterson, Findus wurde als 3D-Figur am Computer animiert.

Sven Nordqvist kann alles was Petterson kann

Der Film sieht ziemlich irre aus, weil dafür Pettersons Haus und selbst die Landschaft mit den zu großen Löwenzahnblumen nachgebaut wurde. „Ich war ganz schön beeindruckt, als ich mir das im Studio ansah“, sagt Sven Nordqvist zufrieden. Er kennt sich nämlich nicht nur mit dem Zeichnen aus – er kann alles, was Petterson kann. Von der Weihnachtsmann-Maschine aus „Morgen, Findus, wird´s was geben“ hat er ein Modell gebaut, um zu sehen, ob das auch so funktionieren würde, wie er es gezeichnet hat.

Petterson und Findus essen Pfannkuchentorte in "Eine Geburtstagstorte für die Katze" Illustration: Sven Nordqvist
Petterson und Findus essen Pfannkuchentorte in "Eine Geburtstagstorte für die Katze"Illustration: Sven Nordqvist

Findus ist im Film sehr süß geworden, findet sein Erfinder. „Die haben ihm Gesichtsausdrücke verpasst, die ich gar nicht zeichnen kann. Das machen bei mir die Leser in ihrer Fantasie.“ Denn das ist der Unterschied zwischen Büchern und Filmen: Wenn man ein Bild anschaut, kann man im Kopf selbst viel hinzufügen – im Film bestimmt ein anderer, was man sieht. „Ich schätze, deshalb wollen Erwachsene lieber, dass Kinder Bücher lesen“, sagt Sven Nordqvist. Und dann lächelt er: „Aber ich wollte als Kind immer so viel Wirklichkeit wie möglich. Ich hätte so einen Film unbedingt sehen wollen.“

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