Literaturnobelpreis : Ai Weiwei kritisiert Nobelpreisvergabe an Mo Yan

Die Vergabe des Literaturnobelpreises an den chinesischen Autor Mo Yan hat der Dissident Ai Weiwei als "fast unerträglich" bezeichnet. Sein Landsmann ist ihm zu nah am kommunistischen System.

Dem chinesischen Dissidenten Ai Weiwei ist der Literaturnobelpreisträger Mo Yan zu nah am chinesischen System.
Dem chinesischen Dissidenten Ai Weiwei ist der Literaturnobelpreisträger Mo Yan zu nah am chinesischen System.Foto: AFP

Nach der Vergabe des Literaturnobelpreises an den chinesischen Autor Mo Yan äußern sich einige regimekritische Intellektuelle distanziert über den 57-Jährigen, der einigen zu nahe am kommunistischen System steht. So zum Beispiel der wegen seiner gesellschaftlich engagierten Kunst verfolgte Ai Weiwei. "Mo ist im System", sagte er. "Wenn er nicht Gerechtigkeit für die Opfer politischer Verfolgung fordert, ist der Preis nutzlos."

Ein Schriftsteller dürfe heutzutage unmöglich davon Abstand nehmen, "auch ein moderner Intellektueller zu sein, der die universellen Werte der Menschenrechte sowie der Gedanken- und Meinungsfreiheit respektiert". Das seien alles "unerlässliche Qualitäten für einen guten Schriftsteller", erklärte Ai. Über den Kurznachrichtendienst Twitter sendete er zudem den spitzen Kommentar: "Ein Schriftsteller, der sich nicht der Realität stellt, ist ein Lügner."

Auch in verschiedenen Medien äußerte sich der Künstler kritisch über die Vergabe des Preises an Mo Yan - so bezeichnete er den Vorgang gegenüber der portugiesischen Zeitung "Público" als "fast unerträglich" und fragte: "Kann man einen Schriftsteller mit diesem Preis auszeichnen, der sich vom heutigen politischen Kampf in China fernhält?" Der Zeitung "Die Welt" sagte Ai, dass er das politische Verhalten von Mo Yan in der Realität nicht akzeptiere. "Er ist möglicherweise ein guter Schriftsteller. Aber er ist kein Intellektueller, der die heutige chinesische Zeit vertreten kann." Moderne Intellektuelle hätten eine tief gehende Beziehung zur aktuellen Realität des Landes. Einen Nobelpreis an jemanden zu geben, der von der Realität abgehoben lebt, sei eine rückständige und unsensible Verfahrensweise. "Dennoch gratuliere ich ihm dazu", sagte Ai.

Auch andere chinesische Intellektuelle übten scharfe Kritik an der Ehrung Mo Yans. Der Bürgerrechtler Yu Jie sagte beispielsweise: "Ich denke, der Nobelpreis sollte an niemanden verliehen werden, der Mao Tsetung lobt, egal wie populär sein Werk ist." Dabei bezieht sich Yu auf die Tatsache, dass Mo Yan 2002 mit anderen Autoren zu Ehren von Mao Tsetung eine Seite aus den Reden des Revolutionärs mit der Hand für einen Jubiläumsband abgeschrieben hatte. Mao hat jedoch nicht nur viele Millionen Chinesen auf dem Gewissen, sondern auch Schriftsteller verfolgt und Kultur vernichtet.

(mit dpa/dapd)

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