Literaturnobelpreis : Gewinner haben viele Freunde

Gleich vier Verlage können sich über die Entscheidung der Nobel-Akademie freuen: Bücher von Mo Yan gibt es beim Unionsverlag, bei Insel, Horlemann und Hanser.

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Alle auf einen. Szene auf der Frankfurter Buchmesse nach der Bekanntgabe des Literaturnobelpreises. Foto: AFP
Alle auf einen. Szene auf der Frankfurter Buchmesse nach der Bekanntgabe des Literaturnobelpreises. Foto: AFPFoto: AFP

So kann das gehen, wenn das Werk eines frischgebackenen Literaturnobelpreisträgers nur verstreut und unzureichend auf Deutsch vorliegt. Plötzlich haben gleich mehrere Verlage gewonnen. Der Suhrkamp Verlag zum Beispiel, denn Insel gehört zu Suhrkamp und dort ist 2009 Mo Yans Roman „Die Sandelholzstrafe“ erschienen. Geschäftsführer Thomas Sparr gibt auf der Buchmesse am SuhrkampStand in Halle 4.1. erste Statements ab und wiegelt die Frage ab, ob der chinesische Autor nicht zu regimetreu für den Preis sei. Ein Literaturnobelpreis, betont er, werde für ein großes literarisches Werk verliehen. Verlegerin Ulla UnseldBerkéwicz hat Sekt mitgebracht, schwärmt von Mo Yans „ungeheurer Sprache“ und stößt mit seiner Übersetzerin Karin Betz auf den Preis an. Und Pressechefin Tanja Postpischil beteuert, „Die Sandelholzstrafe“ sei Mo Yans Hauptwerk.

Einen Gang weiter freut sich der Schweizer Unionsverlag, dass er nach Magib Mahfus erneut einen Nobelpreisträger vorweisen kann. Verleger Lucien Leitess ist Mo Yan zweimal persönlich begegnet, zuletzt 2009, als China Gastland der Buchmesse war. In Zürich hat er mit dem Schriftsteller unter anderem das Lenin-Haus besucht. „Er ist kein Schaumschläger, keine Diva, sondern ein bescheidener, knorriger Mann, umgänglich und konzentriert“, berichtet Leitess vor der eilig aufgebauten Bücherwand mit den vier beim Unionsverlag veröffentlichten Titeln „Das rote Kornfeld“ (Zhang Yimous Verfilmung gewann 1988 den Goldenen Bären), „Der Überdruss“, „Die Schnapsstadt“ und „Die Knoblauchrevolte“. Ein Werk der Humanität sei Mo Yans Literatur, von großer Menschenliebe und stofflicher Vielfalt gekennzeichnet, dabei ländlich orientiert, sagt Leitess. Bei manchem seiner Bücher habe es Probleme mit der Veröffentlichung in China gegeben, obwohl er dort ein Bestsellerautor mit Millionenauflage ist. Zu kühn seien die Werke stilistisch und im Umgang mit ihren Stoffen. Von den Kategorien Dissident oder Staatsdichter hält Leitess wenig: Die Querelen bei der Buchmesse 2009 hätten Mo Yan angewidert, weshalb sich der Autor damals nicht politisch äußern wollte.

Ein paar Kojen weiter drängeln sich abermals Fotografen und Kameraleute, am Stand des kleinen Berliner Horlemann Verlag, der Mo Yans Roman „Der Überdruss“ 2009 erstmals auf Deutsch veröffentlicht hat. Ein Literaturnobelpreis passt in die kleinste Hütte: Horlemann-Verleger Tim Voß freut sich jedenfalls und hofft auf ein paar Leser mehr, die sich „in Ruhe“ Mo Yans Roman annehmen mögen.Das hofft auch der Hanser Verlag, der schon immer ein Händchen für Literaturnobelpreisträger hatte. Bei Hanser erscheint im Frühjahr Mo Yans nächster Roman „Frösche“, in der Übersetzung von Martina Hasse.

Und die Schrifststellerkollegen? „Es könnte für mich keinen glücklicheren Kandidaten geben, er ist über jeden Zweifel erhaben“, sagt Martin Walser und setzt noch eins drauf. „Ich halte ihn für den wichtigsten Schriftsteller unseres Zeitalters und platziere ihn gleich neben Faulkner“. Herta Müller, Literaturnobelpreisträgerin von 2009, meint nur knapp: „Er war nicht mein Favorit.“ Gerrit Bartels

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