Literaturparty : Leipziger Lesenacht

Es ist eine einzigartige Mischung aus Literatur und Party. Bei der "Langen Leipziger Lesenacht" wollen alle dabei sein.

Leipzig - Clemens Meyer ist verschnupft. Ausgerechnet in den Tagen vor der Leipziger Buchmesse hat sich der erfolgreiche Jungautor erkältet. Doch das Publikum bei der zweiten «Langen Leipziger Lesenacht» (kurz L3), die am frühen Abend beginnt bis freitagfrüh 04.00 Uhr dauern wird, lässt er nicht hängen. Bei der L3, dieser einzigartigen Mischung aus Literatur und Party, will er unbedingt dabei sein.

Mit einem Schnaps kämpft der Leipziger bei seinem Heimspiel gegen den Husten und liest aus seinem von Kritikern bejubelten Roman «Als wir träumten». Meyer ist einer von 40 Autoren, die in der Moritzbastei, Europas größtem Studentenclub, ein einzigartiges Lese-Fest mit mehr als 1000 Besuchern feiern.

Die Moritzbastei ist mehr als 450 Jahre alt. Sie war Teil der alten Stadtbefestigung Leipzigs und wurde in den 1970er Jahren zum Studentenclub ausgebaut. Auch Angela Merkel legte beim Umbau als junge Studentin Hand an. Seitdem ist die Moritzbastei (MB) der Treffpunkt für junge Leute in Leipzig - ein Ort der Kultur und des fröhlichen Feierns.

Beides bringt Veranstalter Claudius Niessen, Student am Deutschen Literaturinstitut Leipzig (DLL), mit der L3 zusammen. «Es geht darum, neue Formen der Literaturvermittlung zu finden», sagt Niessen. Von sich selbst behauptet er, der einzige DLL-Student zu sein, der nicht schreibt. Die Idee der L3 ist einfach: Bekannte Autoren wie Steffen Kopetzky und Leonie Swann sorgen für Glanz, in dem sich auch bisher fast unbekannte Nachwuchsschriftsteller präsentieren.

Auf drei Bühnen lesen die Autoren am ersten Tag der Leipziger Buchmesse, von Liebe, von Kapitalismus, von Kriminalität oder vom Tätowieren. Und nach dem stundenlangen Lese- folgt ein Tanz-Marathon. Wladimir Kaminer legt seine «Russen-Disko» bis in den frühen Morgen auf. Seine Auswahl ist so mitreißend, dass sich selbst der eine oder andere Verleger und Lektor unter das tanzwütige Publikum mischt.

«Das ist eine geniale Veranstaltung - hier sitzen Leute sechs Stunden in den vollgestopften Räumen und pfeifen sich ohne Pause Literatur rein», sagt Juli Zeh, die aus ihrer gerade erschienen Essaysammlung «Alles auf dem Rasen» liest. «Ich hoffe, dass die Idee der Lesenacht zu den Innovationen gehört, die überdauern.»

«Besonders die kleinen Verleger sind begeistert», sagt Veranstalter Niessen. Diese müssen sonst mit ihren Autoren um ein attraktives Umfeld für Bücherpräsentationen kämpfen. Bei der L3 scheint diese schwere Aufgabe dagegen ein Kinderspiel zu sein. Und das Publikum spendet jedem der Akteure bereitwillig Applaus.

«Es ist eine tolle Möglichkeit, sich einem neuen Publikum vorzustellen» sagt Olaf Schmidt, der aus seinem Debütroman «Friesenblut» liest. «Dieses Publikum, dieses Ambiente - einfach fantastisch.» (Von Erik Nebel, dpa)

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