Kultur : Lizz Wright

Diese Woche auf Platz 50 mit: „Dreaming Wide Awake“

Ralph Geisenhanslüke

Bei Lizz Wright kommen alle Klischees zusammen: Sie ist jung, schön – und natürlich singt sie. Seit frühester Kindheit schmetterte sie als Pfarrerstochter aus dem ländlichen Georgia im Gemeindechor die Gospels. Irgendwann beschloss sie, mit ihrer samtenen Alt-Stimme nicht mehr nur den Namen des Herrn zu preisen. Ihr Debüt erschien auf dem Höhepunkt des Jazz-Sängerinnen-Hypes vor zwei Jahren. Lizz Wright erwischte die perfekte Welle.

Mit 25 Jahren hat sie bereits einen weiten Weg hinter sich. So wie auch einige der Songs auf ihrem zweiten Album. Zum Beispiel „A Taste of Honey“: Anfang der der sechziger Jahre wurde es von dem „Exotica“-Bandleader Martin Denny eingespielt, 1963 musste es noch schnell mit drauf, als die Beatles in einem legendären Tag ihr Debütalbum „Please Please Me“ aufnahmen. Die meisten Leute kennen es in der dünnflüssigen Easy-Listening-Version des Trompeters Herb Alpert.

Und nun Lizz Wright: Bei ihr ist der Honig schwer und dunkel. Bill Frisell spielt sparsam Gitarre, der Kontrabass schnurrt, das klingt wie ein ganzer Sumpf aus Blues. Oder „Stop“, ebenfalls extrem laid back: War mal ein Hit von Madonna, hieß da jedoch „Don’t Tell Me“. „Old Man“ von Neil Young oder „I’m Confessin“ von Frank Sinatra erkennt man zwar auf Anhieb. Aber auch sie sind exquisit arrangiert, mit einem eleganten, reifen, zartbitteren Timbre, das vermuten ließe, die Sängerin sei mindestens zehn Jahre älter.

Ein Grund dafür heißt Craig Street, ein Produzent unter dessen sensiblem Händchen bereits die Stimmen von Cassandra Wilson, Norah Jones oder Holly Cole erblühten. Welchen Anteil jedoch bei Lizz Wright auch die musikalische Früherziehung hat, zeigt sich in ihrer gülden dahinschmelzenden Eigenkomposition „Hit The Ground“. Die Akkorde sind eine Variation des Gospel-Klassikers „Amazing Grace“. Da hört man: Lizz Wright ist Miss Right.

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