LO-FI-FOLKCocoRosie : Traumschloss-Schwestern

Nadine Lange

Sie haben ein bisschen aufgeräumt im Kinderzimmer. Alte Spielzeuge und Rasseln mussten ins Regal, auch die Harfe ist nicht mehr so spannend wie früher. Dafür spielen CocoRosie jetzt gerne mal mit Beats. Trotzdem ist der zart-verschrobene Stil der Schwestern Bianca und Sierra Casady auf ihrem dritten Album „The Adventures of Ghosthorse and Stillborn“ noch immer unverkennbar. Bei aller Kindlichkeit driftet ihr Lo-Fi-Folk, der durch Valgeir Sigurdssons Produktion deutlich weniger rumpelig ist, nicht in belanglose Niedlichkeit. Dafür sorgen allerlei Störgeräusche, Wimmerkeyboards sowie die seltsamen Texte voller Hexen, Pferde, Gänse und Waisenkinder. Mitten in die schönste Mitsing-Melodie hauen sie plötzlich die Zeile „Everybody wants to go to Irak, but once they go, they don’t come back.“

Die Casady-Schwestern machen seit vier Jahren gemeinsam Musik. Es begann mit spielerischen Aufnahmen im Badezimmer von Sierras Pariser Apartement. „La Maison de mon Rêve“ hieß das Ergebnis, das ihnen hymnische Kritiken und eine kleine Fangemeinde einbrachte. Bald zählten sie zusammen mit anderen ähnlich träumerisch-hippiesk auftretenden Singer/Songwritern zu einer neu ausgerufen Folk-Bewegung, die unter dem Begriff Freak Folk (auch Free Folk) bekannt wurde. Bianca Casady war zeitweise mit Devendra Banhart liert, der einer der Protagonisten der Szene ist und auf CocoRosies großartigem zweiten Album „Noah’s Ark“ als Gastsänger auftritt. Ihn werden die Schwestern bei ihrem zweiten Berlin-Konzert in diesem Jahr wohl nicht dabeihaben. Dafür darf man sich aber wieder auf den fulminanten Beatboxer Tez freuen. Nadine Lange

Lido, Mo 13.8., 21 Uhr, AK 20 €

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