Kultur : Locker - Theatre Mimo Magique

NORBERT TEFELSKI

Der Titel "Silence!" steht für konsequent pantomimische Poetik im Sinne Marcel Marceaus. Dessen "Ecole International" haben Alexander Neander und Wolfram von Bodecker absolviert, auf Tour mit seiner "Compagnie" sammelten sie Bühnenerfahrungen, bevor sie, als Theatre Mimo Magique, ihr erstes eigenes Programm zusammenstellten (Hackesches Hof-Theater, bis 12.6., Di-Sa 21 Uhr). Entsprechend solides Hand- und Gesichtswerk, vom Scheitel bis zum Zeh in klassischem Schwarzweiß, bestimmt die zwölf Duo- und Solo-Szenen: Artifiziell gebremste Komik, die nicht variiert, sondern akademisch eingepaukt gespielt wird, zeitigt meist vorhersehbare Pointen. Nicht nur mit frankophilen Verweisen wie der mehrfachen Musette-Untermalung soll das Werk den Meister loben - doch statt auf den obsoleten Segen von oben zu spekulieren, täte das Mimenpaar besser daran, sich nach unten, auf ein heutiges Publikum, auszurichten. Zumal etliche Details das Potential zu individuell-fantasievollen Minidramen belegen. So im Falle des Taschendiebes, der sich, überraschend desillusionierend, in seinen eigenen, grotesk verlängerten Arm beißt. Tatsächlich weit genug von konventioneller Betulichkeits-Pantomime entfernt, könnten zwei, drei Nummern jede moderne Varietéshow bereichern. Wenn etwa die Meinungsverschiedenheit zwischen Gast und Kellner in einem Zweikampf gipfelt, der andere, ähnliche, überflüssig macht, führt die Hatz über fiktive Rolltreppen und durch gedachte Schächte den "Mission Impossible"-Soundtrack ad absurdum: Weiter so - nichts ist unmöglich.

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