Kultur : Löwen und Hyänen

Steffen Richter

Giuseppe Tomasi di Lampedusas Roman „Gattopardo“ ist ein Buch, das vom Überraschungserfolg zum Klassiker aufstieg. Zwei große Verlage hatten das Manuskript abgelehnt, als sich ein Branchennewcomer für das Buch des unbekannten Sizilianers interessierte. Dass der Verlag Giangiacomo Feltrinellis 1958, im erst vierten Jahr seines Bestehens, einen Megabestseller landen würde, hatte niemand vorhergesehen. Mittlerweile gilt der „Gattopardo“ als eine Art Grundbuch Siziliens, wenn nicht Italiens.

Es geht um den Untergang einer Welt von gestern, den Sieg von Geld und Verschlagenheit über Geschmack und gute Manieren. Einer der meistzitierten Sätze lautet: „Wir waren die Pardel, die Löwen; die uns ersetzen, werden die Schakälchen sein, die Hyänen.“ Es klingt, als hätte Tomasi bereits die Ära Berlusconi vor Augen. Apropos: Nach der Abwahl Berlusconis vor gut einem Jahr hat nun auch das I talienische Kulturinstitut in Berlin eine neue Leitung. Da kann man mal wieder hingehen. Zum Beispiel, wenn der Literaturwissenschaftler Friedrich Wolfzettel am 23.5. (19 Uhr) aus Anlass von Tomasis 50. Todestag über das kritische Potenzial mythologischer Passagen in dessen Werk berichtet (Hildebrandstr. 2, Tiergarten).

Der marxistische Immobilieninvestor Bernd F. Lunkewitz kaufte 1991 den Aufbau-Verlag aus der DDR-Konkursmasse. Aufbau, das hieß einst: antifaschistische Emigranten von Seghers bis Bloch, Klassiker von Lessing bis Fontane und Gegenwart von Christa Wolf bis Christoph Hein. Wie Geld und Kunst zusammenkommen, erklärt Lunkewitz, moderiert von Tagesspiegel-Literaturredakteur Gerrit Bartels, gemeinsam mit den Aufbau-Autoren Thomas Lehr und Richard Wagner am 23.5. (20 Uhr) in der Reihe „Verlagskulturen“ der Literaturwerkstatt (Kulturbrauerei, Knaackstr. 97) .

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