Kultur : Lorena Valdivia aus Chile

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Ich komme ursprünglich aus Santiago de Chile in Südamerika. Vor vier Jahren bin ich nach Berlin gezogen, seitdem bin ich jedes Jahr bei der Berlinale dabei gewesen. Nach vielen, vielen Sprachkursen spreche ich inzwischen so gut Deutsch, dass ich deutsche Produktionen genauso gut verstehe wie spanische.

Am allermeisten interessieren mich dieses Jahr die Kurzfilme, dafür stehe ich heute an. Kurzfilme sind sonst eher schwer im Kino zu finden, schade. Mir gefällt es, in wenigen Minuten in ein anderes Land einzutauchen, dieses Jahr sind zum Beispiel Filme aus Argentinien, Iran, Südafrika oder Lettland dabei. Die Wettbewerbsfilme interessieren mich weniger. Die kann man sich auch sonst problemlos im Kino anschauen.

Ganz besonders gefällt mir an der Berlinale die spezielle Stimmung: Vor und nach dem Film gibt es Vorträge und Präsentationen, die Schauspieler laufen herum, im Publikum sitzen viele Freunde und Bekannte der Regisseure. Die meisten Besucher haben sich vorher viel mehr über den Film informiert als sonst und gehen ganz anders mit. Die Leute sind ausgelassener, nach einem Film wird auch mal geklatscht. Ich glaube, diese Stimmung ist der Grund, warum es den Leuten nichts ausmacht, so lange anzustehen.

Momentan promoviere ich an der Technischen Universität in Architektur-Theorie, über den italienischen Baumeister Andrea Palladio. Wenn ich mit der Promotion fertig bin, hoffe ich, in Berlin bleiben zu können. Ich mag die Stadt, und ich komme auch mit den Deutschen gut klar: Viele sagen, sie seien unfreundlich oder verschlossen. Das habe ich bisher ganz anders erlebt.

— Aufgezeichnet von Anne-Dore Krohn

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