Loriot-Abend "Die Ente bleibt draußen!" : Eine große Nummer

Stermann und Grissemann laden zum Loriot-Abend ins Tipi und - Überraschung! - die Sketche wirken wie für die beiden geschrieben.

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Stermann und Grissemann
Stermann und Grissemann - und die Ente.Foto: promo

Was ist los mit Stermann und Grissemann? Werden die zynischen Clowns aus Wien mit den Jahren milde und weich? Sehen sie ein, dass es zwar in Funk- und Fernsehshows reicht, sich mit nichts zu beschäftigen, aber das man auf der Showbühne mehr bieten muss als deutsch- österreichische Pöbeleien? Wollen Sie endlich humoristische Texte verlesen, die jemand anders als sie geschrieben hat? Texte, die Niveau haben, aber – wie das bei heilig gesprochenen Klassikern halt ist – auch einen soliden Gähnfaktor?

Die Antwort nach der Deutschlandpremiere (hoho!) der Show „Die Ente bleibt draußen!“ im Tipi lautet: Völlig egal, Vicco von Bülows Sketche wirken wie für die beiden geschrieben! Besonders wenn sie sie – wie in der ersten Hälfte – mit ihren eigenen giftigen Sottisen garnieren. „Wer hat mir das Wasser hergestellt?“, grantelt Grissemann und nimmt am Lesetisch neben einer voluminösen Plastikente Platz, „Wasser, dieses sinnlose Getränk!“ Dazu Stermann: „Ein Satz, den man so nie in der Sahelzone hört.“

Das Duo räumt Loriots Lakonie auf

Überhaupt raut der sarkastische Tonfall, den der Ösi Grissemann und der Deutsche Stermann pflegen, Loriots Lakonie angenehm auf. Bei Fernsehsketchen wie „Mutters Klavier“ lesen sie lapidar die Regieanweisungen mit, bei der Zeichentrickgroteske „Zwei Herren im Bad“ ist es ein echter Witzverstärker, zwei voll bekleidete Männer die Dada-Dialoge sprechen zu sehen. Eine zum Brüllen komische Nummer! Die stumpfe Frustration und die latente Aggression, die die beiden Kabarettisten in ihre Pingpong-Dialoge gießen, ist überraschend deckungsgleich mit denen von Loriots Charakteren.

Dessen Texte überhaupt lesen zu dürfen, ist eine Ehre, die längst nicht jedem zuteil wird. Brav bemühen sich die beiden mit der Jazzpianistin Philippine Duchateau um einen bildungsbürgerlichen Rahmen. Loriots Frauenbild übrigens gehört ein wenig renoviert, so schrill wie Grissemann die Terrorgattin aus „Szenen einer Ehe“ serviert. Als zeitlos stilles Dokument des Scheiterns jeder Kommunikation überzeugt „Der Astronaut“, in dem sich der Interviewpartner eines Fernsehmoderators als Verwaltungsinspektor statt als Mondfahrer entpuppt. Eine große Nummer, groß interpretiert.

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