Kultur : "Lost Killers": Ein Friede unter Fremden

Cristina Moles Kaupp

Mannheim. So öde, dass sich Underdogs aus allen Welten dorthin verirren. Einmal gestrandet, wollen sie nur noch weiter. Einige stecken jedoch fest wie Merab aus Georgien und sein kroatischer Kumpel Branco, ein erfrischend ungleiches Paar. Branco ist Gelegenheitsdealer und will sich als Auftragskiller beweisen. Zusammen mit Merab, der eher zum Philosophen taugt, sich in Besinnungslosigkeit säuft und über ein Repertoire wunderheilsamer Trinksprüche verfügt. Ihr erstes Opfer soll ein russischer Geschäftsmann sein. Warum? Keiner weiss es. Täglich pirschen sie sich an den Russen heran, doch dann fehlt ihnen die Kaltblütigkeit. "Heute hat er mal wieder Schwein gehabt", sagen sie. Dann eben morgen.

Ein paar Straßen weiter steht sich Lan die Beine in den Bauch, eine Prostituierte aus Vietnam, die keine Freier findet. Wie auch? Ihr faulen die Zähne weg, und diesen Gestank hält keiner aus. Bis sie auf Carlos trifft, einen bulligen Straßenmusiker aus Haiti, der sie vor Zuhältern schützt und sogar seine linke Niere verkaufen will - bald wird es ihnen in Australien besser gehen.

Verschiedene Kulturen, Überlebenskampf und der Gleichmut von Verlierern. In einer Eckkneipe lässt Regisseur Dito Tsintsadze seine Protagonisten in die Leben der anderen stolpern. Doch trotz der explosiven Konstellationen weht nur ein laues Lüftchen - viel passiert nicht in dem dritten, eigentümlich verfahrenen Spielfilm des Georgiers. Tsintsadze beschränkt sich auf das Karikieren seiner bisweilen sympathisch verkommenen Subjekte. Statt einer Story reiht er Episoden aneinander, die in ihrer Selbstverliebtheit mitunter treffend komisch sein können. Der Rest entpuppt sich jedoch als gnadenlos dilettantisch und zäh. Auffallend ist Tsintsadzes lustvoll beharrliches Buddeln im Dreck: Ob Exkremente, Drogen, Zahnfäule, die Ausdünstungen scheintoter Greisinnen oder stets versiffte Klos - als den Film tragende Konstante aber ist solches Faible zu dürftig.

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