Kultur : Lothar Hempel

Michaela Nolte

Dem Trommler fehlt ein Auge, lose Fäden lassen beim Trompeter an Kampfspuren denken und der Kopf des Leadgitarristen steckt auf einer Bierflasche. „Nachts, wenn alles schläft!“ (75 000 Euro) erweist sich der Musikantenaufmarsch eben doch nicht als so lustig, wie es die kindlichen Proportionen und poppigen Kostüme zunächst vermuten lassen.

Lothar Hempel hat für seine komplexe Installation einmal mehr in die Schatzkiste der abendländischen Kulturgeschichte gegriffen. Protagonist dieser surrealen Szenerie ist der Sockel. Hempel bereitet ihm im XXL-Format eine große Bühne. An den Seiten der Sockel wird die Parade von antiken Torsi flankiert, solide und sichtbar als Fotografien montiert. Der Fundus, aus dem der 1966 geborene Künstler seine so genannten Erzählmaschinen baut, ist unerschöpflich: Griechische Mythen treffen auf knallbunte Stoffpüppchen, Fotografien auf Malerei, Filmzitate auf die Attitüde des Balletts oder eine selbst gebastelte E-Gitarre.

„Effetti Speciale“ heißt Hempels Ausstellung bei c/o Atle Gerhardsen (Holzmarktstraße 15-18, bis 19. Mai, Di. bis Fr. 11-18 Uhr). „Das passt besser zu meiner Arbeit als Special Effects“, sagt er. Speziell sind die skulpturalen Konstellationen allemal, jedoch nicht im Sinne raffinierter Technik. Hempel hält die Dinge transparent: Handwerkliche Spuren blitzen als Flügelmuttern auf oder in einem Türschloss, das ins Leere schnappt. Die Gaukelei, die Verführung entsteht im Kopf des Betrachters.

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