Kultur : Lothar Zagrosek wird Chefdirigent des BSO

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Seine Sprachmelodie erinnert an Franz Beckenbauer, sein Profil an Claudio Abbado: Lothar Zagrosek kann auch als Künstler Gegensätze vermitteln. Der begeisterte MozartDirigent und engagierte Anwalt der Moderne hat seit 1997 den kometenhaften Aufstieg der Stuttgarter Oper maßgeblich mitgeprägt, ist zweimal von den Kritikern der „Opernwelt“ zum „Dirigenten des Jahres“ gewählt worden. Wenn er im Herbst 2006 als Chef zum Berliner Sinfonie-Orchester wechselt, hat er Großes vor: Nicht weniger als einen „Mythos BSO“ will der 1942 geborene Bayer schaffen. Künftig sollen die Leute der tollen Programme wegen ins Konzerthaus am Gendarmenmarkt pilgern. Bis 2011 läuft der Vertrag zunächst, den Zagrosek gestern unterschrieben hat. Kultursenator Thomas Flierl hat zugesichert, dass in dieser Zeit keine Musikerstellen abgebaut werden. Mit Marketingmaßnahmen will Zagrosek die Qualitäten des Ensembles ins rechte Licht rücken – er denkt sogar über eine Namensänderung nach, um das BSO unverwechselbarer zu machen.

Ein wichtiger Grund für den Wechsel nach Berlin war Konzerthaus-Chef Frank Schneider: Der denkt nämlich ebenso konsequent dramaturgisch, wie Zagroseks es bei seinem Stuttgarter Intendant Klaus Zehelein schätzen gelernt hat. Nach seinem Umzug in die Hauptstadt wird Zagrosek künftig zehn Programme pro Spielzeit beim Berliner Sinfonie-Orchester leiten. In dieser Saison ist er zweimal mit dem BSO zu erleben: Im Januar mit Mahlers „Lied von der Erde“ und im April mit Mozarts „La finta giardiniera“; ursprünglich sollte Zagrosek das Stück an der Deutschen Oper Berlin dirigieren; doch die neue Intendantin Kirsten Harms schmiss die Produktion wieder aus dem Programm. Nun realisiert er es mit seinem neuen Orchester. F.H.

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