Kultur : Love & Peace

Carlos Santana überrascht in der Berliner O2-Arena

H. P. Daniels
Foto: AFP
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Metallisches Synthie-Intro, ein Drummer und zwei Perkussionisten, Bass, Gitarre, Posaune, Trompete, zwei launige Stimmungssänger und schwer karibisches Karnevalistengefühl. Und mittendrin, mit Hütchen und Sonnenbrille, fiedelt Carlos Santana auf einer grünen PRS-Gitarre. Es schwant einem nichts Gutes, denn die O2 World ist nicht der schönste Konzertsaal und Santanas neuestes Album ist ein Albtraum mit abgenudelten Coverversionen wie „Whole Lotta Love“ und „Smoke On The Water“.

Seit es die ursprüngliche Band Santana nicht mehr gibt, die 1969 nach einem sensationellen Auftritt beim legendären Woodstock-Festival mit einer Mischung aus Blues und lateinamerikanischen Rhythmen enorme Popularität erlangte, hat Carlos Santana das Problem aller großen Gitarristen einst großer Bands, die selber nicht singen können. Immer wieder muss er sich neue Sänger suchen. Diesmal heißen sie Tony Lindsay und Andy Vargas. Sie singen „Yaleo“ von Santanas erfolgreichstem Album „Supernatural“, seinem überraschenden Comeback von 1999. Und sie gehen von der Bühne, wenn sie nicht gebraucht werden, etwa wenn David Mathews ein Solo auf dem Piano spielt.

Santana ist ein unaufdringlicher Mensch, der sich nicht ständig in den Vordergrund schiebt und der seinen Mitmusikern Raum gibt. Seine Gitarre spielt er als Teil des Ganzen. Das passt zu seiner menschenfreundlichen Philosophie des Teilens und der Gemeinsamkeit. Den „beautiful people“ im Publikum erklärt er, dass er mit seiner Band „beautiful music“ spielen wolle, und dass es ein Fest der Freude werden solle. Die wird es dann tatsächlich. Vor allem wegen Santanas Gitarrenspiel, das man schon verloren glaubte an sich ewig wiederholende Klischees. Heute fügt es sich trefflich ein in den kompakten Salsa-Big-Band-Sound, wo die Gitarre manchmal klingt wie ein Teil der Bläser, wie das fehlende Saxofon.

Santana spielt mit seinem unverwechselbaren flüssig warmen Klang, mit lang stehenden Tönen, mit Fingervibrato, Trillern und Tremolo, mit nur wenig Effektgeräten, manchmal mit dezentem Wah- Wah-Pedal und dosierter Rückkoppelung. Von weichen Melodien gerät er in tosende Soundcluster und findet doch wieder zurück in ruhigere Fahrwasser, sanftes Plätschern. Und wenn er in den Songs immer wieder kleine Zitate versteckt – „You Really Got Me“, „Cocaine“, „All Along The Watchtower“, „Third Stone From The Sun“ – dann ist das witziger als „Sunshine Of Your Love“ von Cream komplett nachzuspielen. Originell ist es auch, wenn die raffinierten Arrangements innerhalb eines Songs von Blues zu Jazz, von Hard-Rock zu Prog-Rock changieren, der Rhythmus von Salsa zu Reggae und zurück. Und Santanas Ansprachen zur Hoffnung auf eine bessere Welt unterscheiden sich gar nicht so sehr von den Predigten einer Patti Smith. Zum Schluss gibt’s noch ein bisschen Woodstock mit „Love, Peace & Happiness“. Und nach 160 Minuten ist man angenehm überrascht von einem erfrischenden Santana. H. P. Daniels

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