Kultur : Luc Bondy erntet Buhrufe bei den Wiener Festwochen

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Mit Spannung war Luc Bondys Inszenierung von Arthur Schnitzlers „Anatol“ erwartet worden. Seine Sichtweise auf den Hypochonder in einem schleppenden Reigen des Liebesverlusts aber hat das Premierenpublikum am Mittwoch im Wiener Akademietheater gespalten. Ein Teil bejubelte die Aufführung mit Michael Maertens in der Titelrolle. Protest traf am Ende des dreistündigen Abends vor allem den Regisseur. Bondy hat mit Schnitzler einen Autor gewählt, der in der österreichischen Hauptstadt noch immer als Inbegriff des Wienerischen vereinnahmt wird. Der neue Alleinintendant der Festwochen ist dieses Risiko bewusst eingegangen und hat die Hauptfigur zudem mit einem Deutschen besetzt, eine Entscheidung, die dem bislang ungeteilt gefeierten Regiemeister übel genommen wurde. Hinter dieser vordergründigen Erregung schien der künstlerische Ansatz des Regisseurs zurückzutreten. Bondy zeichnet Anatol im historischen Rahmen (Bühne: Richard Beduzzi) nicht nur als in seiner Eifersucht zerbrechlichen Süchtigen der Liebe. dpa

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