Kultur : Luc Bondy: Provokation ist kein Selbstzweck

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Luc Bondy findet den immer wieder betonten Generationskonflikt am Theater „schwachsinnig“. „Das ist eine sehr deutsche Geschichte“, sagte der 53-jährige Intendant der Wiener Festwochen. „Theater hat im Gegensatz zu Tennis nicht mit physischer Kondition zu tun, sondern mit Erfahrung. Ich verstehe, dass ein 40-Jähriger kein Turnier in Wimbledon gewinnen kann. Aber auch wenn jemand 76 Jahre alt ist wie Peter Zadek, kann er Theater machen, das viele junge Leute interessiert.“ In der heutigen Theaterlandschaft findet es Bondy wichtig, Autoren zu fördern: „Bei den diesjährigen Festwochen fand ich es sehr spannend, dass die Rolle der Autoren so deutlich wurde. Im Mittelpunkt standen nicht so sehr die Regisseure und ihre Interpretation von Texten. Wichtig waren die Erzählungen selbst.“ Provokation hat für Bondy nur dann Berechtigung, wenn sie zum Nachdenken zwingt: „Provokation muss etwas Geistiges, Emotionelles sein, kein narzisstischer Spaß.“ Festivals sind „nicht ein Wettbewerb der Besten, sondern das eigentliche Theater der Welt“. Regisseure und Gruppen aus dem europäischen Osten oder Südamerika „bringen nicht nur neue Ansätze oder Ideen nach Europa. Ihre Arbeiten erzählen auch von den Bedingungen, die in den Ländern für das Theater herrschen“. dpa

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