Kultur : Lücken schließen

Zwischenbilanz der Berliner Forschungsstelle „Entartete Kunst“

Bernhard Schulz

Seit gut einem Jahr arbeitet die von der Ferdinand-Möller-Stiftung geförderte „Forschungsstelle ,Entartete Kunst’“ am Kunsthistorischen Institut der Freien Universität Berlin. Am Montagabend war Gelegenheit zu einer ersten Zwischenbilanz ihrer Tätigkeit.

Andreas Hüneke und Christoph Zuschlag berichteten an Hand von auf den ersten Blick unscheinbaren Archivfunden über die Probleme der Forschung. Hüneke zitierte aus einem vertraulichen Brief von 1938, der erste Hinweise auf den von den Nazis geplanten Verkauf der in deutschen Museen beschlagnahmten Kunstwerke an einen Schweizer Kunsthändler enthält. Zuschlag hat sich zwei Fotografien aus dem Besitz des Deutschen Historischen Museums näher angesehen, die bislang als Aufnahmen aus der Münchner Ausstellung „Entartete Kunst“ von 1937 galten, tatsächlich aber auf eine ähnliche Ausstellung im von der Wehrmacht besetzten Lettland 1941 hindeuten.

Drei Magistrandinnen stellten sodann ihre Vorhaben dar, die Lücken der Forschung schließen helfen sollen. Katrin Engelhardt versucht die Münchner Ausstellung auf ihrer zweiten Station in Berlin zu rekonstruieren. Gesa Jeuthe untersucht die „Verwertung“ der „Entarteten Kunst“ bei der berüchtigten Luzerner Auktion von 1939. Isgard Kracht schließlich will die widersprüchliche Rezeption des Künstlers Franz Marc im „Dritten Reich“ nachzeichnen, als gleichzeitig Werke beschlagnahmt wurden, aber Ausstellungen und Buchpublikationen möglich waren.

Den Festvortrag des Abends hielt der emeritierte Kunsthistoriker OttoK.Werckmeister: ein Vergleich der Unterdrückung moderner Kunst in den drei Regimen Mussolinis, Hitlers und Stalins.

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