Kultur : Lümmel in Nietenhosen

Bodo Mrozek

Der Generationskonflikt ist eine Form des Streites, die in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts ihren Höhepunkt erreichte. Filme wie „Rebel Without a Cause“ oder „Die Halbstarken“ handelten im Grunde von dem Streit, den Sozialpädagogen später Vater-Sohn-Konflikt tauften. „Was willst im Leben eigentlich erreichen?“, schreit der Vater im Film „King Creole“ (1958) den Sohn an. Die Antwort: „Ich will ein blaues Cabriolet.“ Der Lümmel in Nietenhose und Windjacke ist Elvis Presley, der „King“. Am kommenden Sonntag wäre er 71 Jahre alt geworden.

In seinem kurzen Leben hat sich der König seinen Traum erfüllt. Er konnte sich offene Autos in allen Farben kaufen, viele davon hat er verschenkt. Allerdings starb der Monarch 1977 einen unrühmlichen Tod auf der Toilette seines Schlosses. Die Ära Elvis hat vor 50 Jahren ihren Siedepunkt erreicht. Im „heißen Sommer“ 1956 erschütterten die Halbstarkenkrawalle auch Nachkriegsdeutschland. Nicht selten brachen sie nach Kinoaufführungen aus, oft genügte schon ein Transistorradio, aus dem unzüchtige Hotmusik schepperte. Das männliche Sexsymbol des Rock’n’Roll, ein Lastwagenfahrer aus Tupelo/Mississippi, wird seitdem von immer neuen Generationen verehrt. In den achtziger Jahren schleppte sich am Todestag stets ein Trauerzug über den Berliner Ku’damm – obwohl die Trauergäste stets beteuerten, der King sei noch am Leben.

Besondere Gedächtnisverdienste hat sich die Rock-A-Tiki-Lounge erworben. Schon bevor der hawaiianische Tiki-Kult bis an die Spree schwappte, zelebrierten die Modemacher des Rock-A-Tiki- Shops (Eberswalder Str. 26) monatlich musikalisch den alten, ewig jungen Rock’n’Roll. Nach fünf Jahren und sechzig Veranstaltungen ist nun Schluss. Die Rock-A-Tiki-Lounge im Roadrunner’s Paradise (Saarbrücker Str. 24, 3. Hinterhof) verabschiedet sich mit einem zweitägigen Spektakel. Heute Abend wird DJ Rockin Mordy Mokum Platten aus Memphis zum Tanz auflegen, am Samstag feiern Elvis-Fans mit der Band Larry and Cherry Casino & The Gamblers in den Geburtstag hinein. Das Abschiedsdatum hätte nicht besser gewählt sein können.

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