Kultur : Luftige Pfade

Deutsche Bank: Roman Ondák ist „Artist of the Year“

Beigabe. Alte Zeichnung plus neue Figur: „Glimpse“ von 2010. Foto: Roman Ondák
Beigabe. Alte Zeichnung plus neue Figur: „Glimpse“ von 2010. Foto: Roman Ondák

Die Jury war hochkarätig, für den ausgewählten Künstler gilt dasselbe: Während der Frieze Art Fair in London hat die Deutsche Bank mit Roman Ondák ihren „Artist of the Year“ für 2012 bekannt gegeben. Der slowakische Künstler wird im kommenden Jahr ab Mitte April mit einer umfassenden Einzelausstellung im Deutschen Guggenheim in Berlin zu sehen sein.

Die Entscheidung trafen neben dem Direktor der Berliner Nationalgalerie Udo Kittelmann die renommierte Kuratorin Nancy Spector und Okwui Enwezor, der im Oktober das Haus der Kunst in München übernommen hat. Für das große Projekt im Deutschen Guggenheim küren sie damit einen Künstler der kleinen, hintergründigen Interventionen, der seine Utensilien bevorzugt dem Alltag entlehnt. So löste Ondák 2009 zur Biennale in Venedig die Grenzen zwischen Innen- und Außenraum so weit wie möglich auf, indem er Büsche und Sträucher in den Pavillon der Slowakei pflanzte. Der Besucher führte seinen Weg durch den Pavillon auf Pfaden fort, wie sie auch draußen zu finden waren.

Wer die Aufgabe eines Gebäudes derart hinterfragt, wird sich ganz sicher mit den repräsentativen Funktionen eines Ausstellungsortes auseinandersetzen, der aus der Kooperation eines privaten Museums mit einem Bankhaus hervorgegangen ist. Ondák pflegt allerdings keine trockene Institutionskritik. Der 45-jährige Absolvent der Hochschule der bildenden Künste in Bratislava lädt seine Zeichnungen, Objekte und Installationen stets poetisch auf – ohne ihnen die Schärfe zu nehmen. Dies hat ihm seit seinem Biennale-Auftritt zahlreiche Ausstellungen in Zürich, Oxford, Mailand und zuletzt im September in der Dependance P.S.1. des New Yorker Museums of Modern Art (MoMA) beschert.

Ausgangspunkt seiner Arbeit ist stets die Verschiebung alltäglicher Situationen. So wie im Fall der Installation „Shared Floor“ (2006), die die Berliner Galerie Johnen vor einiger Zeit noch einmal aufgebaut hat: als nahezu unsichtbaren Raum im Raum, von dem kaum mehr als das Holzparkett, die elektrischen Buchsen und ein paar in der Luft schwebende Lichtschalter zu ertasten sind. Der Verblüffung folgt alsbald ein Nachdenken über die Konditionen der Existenz. cmx

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