Kultur : Luftnummer

Spielzeit Europa: Preljocaj tanzt Vivaldi

Sandra Luzina

Es regnet Überraschungen. Das Ballet Preljocaj gastiert mit „Les 4 Saisons“ beim Berliner Festival „Spielzeit Europa“. Über den Köpfen der Tänzer kreist ein Mobile mit skurrilen Objekten, die der Künstler Fabrice Hyber geschaffen hat: gemalte Wolken und Blitze, aber auch riesige Früchte, Perlen und Spielzeug. Ein Tannenbäumchen fällt zu Boden, dann schwarze Schuhe und Schwämme. Ohne die himmlische Spielzeugkiste wäre der Tanz arm dran, also stürzen die Tänzer sich begeistert auf die Gaben von oben.

Heiter und verspielt kommt diese Interpretation von Vivaldis „Quattro Stagioni“ daher; den Violinkonzerten aus dem italienischen Spätbarock wird eine moderne Bildsprache übergestülpt. Wenn zwei fast nackte Tänzer in durchsichtigen Plastikanzügen über die Bühne tasten, mag das noch skurril wirken. Wenn aber die Strandnixe im Bikini sich an einem lebenden Schwamm reibt, zwei Igel sich abbürsten und eine Spanierin beim Anblick eines Froschmanns „Orgasmico“ ausruft, dann ist das weder komisch noch sinnlich. Hybers „POF“s – Prototypen von Objekten in Funktion – wollen Stolpersteine für die Fantasie sein, sie sind es aber auch für den Tanz. Etwa bei den beiden Männern, denen man zwei Stöcke an den Hosenboden geschraubt hat. „Les 4 Saisons“ – das sind aus der Luft gegriffene Ideen und viel choreografischer Mumpitz. Sandra Luzina

Haus der Berliner Festspiele, noch einmal heute, 19 Uhr

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