LUK PERCEVALSMolière-Marathon mit Thomas Thieme : Coole Wampe

Sandra Luzina

Auch wenn der Skandal ausblieb bei der Uraufführung in Salzburg: Luk Percevals Molière-Marathon scheint doch über ein gewisses Erregungspotenzial zu verfügen. Die Kritikermeinungen waren jedenfalls gespalten: Während die einen eher gelangweilt „Das große, eisige, sabbernde Nichts“ auf der Bühne registrierten, äußerten andere sich begeistert über die „Die große Fuck-you-Show“.

Nun ist dieser Parforceritt durch vier Komödien von Molière vor allem eine One-Man-Show von Thomas Thieme, der hier die fiese Rampensau markiert und dabei keine Zumutung auslässt. Der massige Darsteller, der so gern über das „schwanzlose“ Theater wettert, geht in seinen Bühnenexzessen bis zur Selbstentäußerung (und Selbstentblößung), seine Dauerattacke auf die Sensibilitäten der Zuschauer ist jedenfalls eine sportliche und darstellerische Höchstleistung.

Vier Charaktere von Molière – den Menschenfeind, Don Juan, Tartuffe und den Geizigen – hat Thieme sich einverleibt und ist nun ER: ein Sexmonster und Ego-Shooter. Die Übersetzung des Autorenduos Feridun Zaimoglu und Günter Senkel wartet mit krassen Versen und vulgär-erotischen Derbheiten auf – und so kann Thieme wie ein abgefuckter Rapper seine Wut und seinen Ekel ins Mikro kotzen. Wobei Weltekel und Selbsthass hier eine einleuchtende Verbindung eingehen. Sein Molière-Projekt will Perceval als eine „Reise vom Idealismus zum Zynismus und Egoismus“ der heutigen Geiz-ist-geil-Mentalität verstanden wissen. Und Thomas Thieme ist zweifelos der herrlichste Kotzbrocken, den die Bühne kennt. Sandra Luzina

Schaubühne, Fr 31.8., 19 Uhr (Prem.), So 2.9., 18 Uhr, Sa 8.9., 19 Uhr, So 9.9., 18 Uhr, 6-38 €, erm. 8 €

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