Kultur : Lust am Overkill

Peter Herbstreuth

wundert sich über den Boom von Jonathan Meese Vorgestern ging die Ausstellung „Das Bildnis des Dr. Fzu Manchu“ bei Contemporary Fine Arts (CFA) zu Ende. Heute eröffnet die Galerie zusammen mit Max Hetzler bereits den nächsten Event mit Jonathan Meese. Beide zeigen Gemeinschaftsarbeiten von Meese und Albert Oehlen (Sophienstraße 21 und Zimmerstraße 90/91; bis 21. August) . So fix und hyberbolisch geht das. 1998 hatte Meese erstmals bei CFA und der Berlin Biennale ausgestellt: es war das bildüberbordende Zimmer eines heillos in Heldenverehrung verstrickten Todeskultkünstlers. So wie Voodoo-Gläubige ihre Götter anrufen, so rief Meese seine Idole aus Literatur, Film, Funk und Fernsehen an. Inzwischen zelebriert er seine Verklärung zum Klassiker: eine achsensymmetrische Ruhmeshalle mit Bronzeköpfen auf Marmorplinthen und Mahagonisockeln umrahmt von perfekt gehängten Gemälden und Zeichnungen. Einige Köpfe waren vergoldet (bis 35000 Euro). Nur Fackeln und Weihrauch fehlten. Die kokette Apotheose ließ sich nach dem ersten Besuch der Galerie kaum fassen. „Symbol, Symbol, das sieht man wohl“, könnte ein Dichter wie Robert Gernhard sagen. Doch man sah den Alptraum von Beuys und Warhol: Salto rückwärts in wirr brütende Zeiten mit maximaler Ästhetisierung und Referenz an die Ehrenhalle Nietzsches.

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Die Galerie Max Hetzler schickte nun ihren bewährtesten Stürmer ins Feld. Vielleicht wäre es spannungsreicher gewesen, der Jugend den Vortritt zu lassen und den Radikalmaler Ulrich Lamsfuß im Schaukampf punkten zu lassen. Der hätte Meese zeigen können, wie das Heldische in der Malerei handwerklich sitzt. Nun ist die Ausstellung mit den Gemeinschaftsbildern (Preise zwischen 20000 und 26000 Euro) eine Geste an die Oehlen-Gemeinde. Es zählen Hamburger Verbindungen. Daniel Richter, der als Maler zu Berlins Big Five gehört, ist Oehlens Schüler und hatte der Galerie 1997 seinen Freund Jonathan vorgestellt. Ein Volltreffer. Jetzt nimmt Meese den Faden zur Lehrergeneration auf. Was Basquiat, Warhol, Bischofsberger recht war, mag dem neuen Verbund teuer sein. Mode hin, Mode her. Es bleiben die Besten. Und die Besten sind jene, die der extremste Ausdruck des Zeitgeistes waren: seine Signatur. Meese heizt in der vorderen Reihe, um für die rasende Geschichtsverwirrung der letzten Jahre einzustehen.

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