Kultur : Lust auf die Augenlust

Heute beginnt das Potsdamer Studentenfilmfestival "SehSüchte"Ein Gesicht.Viele Gesichter.Ein Gesicht, das sich fortwährend auf faszinierende, beunruhigende Weise verwandelt, von jung in alt, von Mann in Frau und wieder zurück.So geht das, einige spannende Sekunden lang.Aber am Ende sind es - schön zeitgemäß - nicht die Gesichter, die in Erinnerung bleiben, sondern die Zwischenstadien ihrer Transformation, das ebenso beunruhigende wie wunderbare existentielle Ungefähre. Mit diesem Kino-Spot, tricktechnisch montiert und demontiert aus Gesichtern von Studenden und Freunden, wirbt das Potsdamer Studentenfilmfestival "SehSüchte", das heute auf dem Studiogelände in Babelsberg beginnt.Und verweist mit diesem disziplinierten Spiel (Regie: Carsten Fiebeler) auf das gemeinsame Selbstbewußtsein, mit dem die "SehSüchte" in ihr viertes Jahr gehen.Hervorgegangen aus den FDJ-Studententagen und bald zum größten studentischen Filmfest des Ostblocks aufgestiegen, stand das Festival nach der Maueröffnung vor dem kreativen Nichts: die jungen sozialistischen Filmemacher hatten anderes zu tun, als junge sozialistische Filme zu machen.Die zunächst freundliche Übernahme durch das von Irina Knochenhauer neugegründete Potsdamer Filmfestival endete bald im Krach - die Studentenfilme waren nur noch eine Sparte unter vielen.Wohin also mit den Augenlust-Ergebnissen der in Potsdam ansässigen Filmhochschule (HFF)? In die "SehSüchte".In diesem Jahr, da 130 Arbeiten von Filmstudenten aus 25 Ländern gezeigt werden, feiern die "SehSüchte" in gewisser Weise wieder Premiere: Denn mit ihnen startet die Stadt in den "Potsdamer Filmsommer", der die bemerkenswerte Fülle der örtlichen Filmaktivitäten unter einem neuen organisatorischen Dach versammelt.Die "SehSüchte" gehen dabei vital voran, schließlich hatte sich deren Zuschauerzahl von Jahr zu Jahr munter auf zuletzt 6000 verdoppelt.Zu sehen sind überwiegend kurze Spiel-, Dokumentar- und Animationsfilme, gebündelt in Themenblöcke, die - verheißungsvoll - unter anderem "Familienbande", "Obsession" und "Ménage à trois" heißen.Als Sponsoren des fünftägigen Festes, dessen Gesamtkosten von 240 000 Mark sie zu rund drei Vierteln bestreiten, treten unter anderem die Sender RTL und ORB auf, die auch einen Teil der sieben ausgesetzten Preise stiften. Daß sich der kreative Spürsinn der HFF nicht zu verstecken braucht, mag nebenbei eine prominente Einladung dieser Tage zeigen.Zwei neuere Babelsberger Studentenfilme werden sich, mag es auch nur in der Deutschen (Neben-)Reihe sein, auf dem Filmfestival in Cannes präsentieren. jal "SehSüchte", bis 3.Mai.Nähere Infos unter Telefon 0331-721 56 35.

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