Kultur : Lust und Laune

ECKART SCHWINGER

In der naturnahen Atmosphäre, den sinnlich blühenden Klangfarben und launigen Spielzügen wirkten die drei Werke, die im Schmiedehof der alten Schultheißbrauerei bei schönstem abendlichem Sommerwetter über die Bühne gingen, so, als seien sie eigens für ein Freiluftkonzert komponiert: Mozarts "Jagdquartett", Webers romantisch reich schattiertes Klarinettenquintett und Dvoráks "Amerikanisches Streichquartett".Auch die Interpretationen des jungen Jupiter-Quartetts aus Prag, das drauf und dran ist, sich einen vorderen Platz in der Kammermusikgilde des mit erstklassigen Streichquartetten gesegneten Nachbarlands zu erspielen, sowie der ebenfalls jungen tschechischen Klarinettenvirtuosin Katerina Váchová wirkten ursprünglich frisch und impulsiv.Ihnen war jene feine, belebende Klangphantasie, jene überspringende Emotionalität eigen, die man von jeher den böhmischen Musikanten nachrühmt.Aber nur heiter, nur elegant und locker waren sie keinesfalls.

Im langsamen Satz des Mozartschen B-Dur-Quartetts KV 458 wurde zum Beispiel von den vier nahtlos übereinstimmenden Streichern alles zugleich außerordentlich empfindsam ausgehört und hinterfragt.Manches gewann dabei schon gelegentlich Züge einer leicht trügerischen Heiterkeit - als wolle Mozart, wie Wolfgang Hildesheimer einmal formulierte, "inmitten von Sätzen, deren rechte Einschätzung er seinen Zeitgenossen nicht zutraue, als Parodist des Gefälligen auftreten".In den Ecksätzen fand keine stürmische Jagd mit überperfektionierter Zielsicherheit statt.Nein, die jungen Prager spielten einen Mozart ohne jede Forciertheit, einen subtilen Mozart, bei dem jeder neue Gedanke mit zarter Deutlichkeit artikuliert wurde.Auch beim Weberschen Klarinettenquintett ließen es Katerina Váchová und das Jupiter-Quartett nicht an einer jugendlich leichten Interpretationsfreude, an Spielkultur und Stil fehlen.Da erfreuten vor allem rundum die grazile Gestaltung, die noble Dynamik und mobile Technik der Prager Klarinettistin.In gleichsam neugewonnener, beflügelnder Intensität schwebte dieses frühromantische Klarinettenquintett durch den alten Schmiedehof.Ein in der Tat mit unüberhörbar viel Lust komponiertes und mit ebensoviel Laune musiziertes Stück delikater Unterhaltungsmusik.Das aufgedrehte Rondo ging wie die Post ab.Und die vielen Hörer im Kreuzberger Hofkonzert hatten ihren Spaß daran.

0 Kommentare

Neuester Kommentar