Kultur : Lynch in MeckPomm - Ein schräger deutscher Krimi

Frank Noack

Nie machen es einem die deutschen Filmregisseure recht. Entweder sind sie zu bieder, oder sie sind zu angestrengt einfallsreich. Auf "Der tote Taucher im Wald", den ersten Langfilm des Musikvideo-Experten Marcus O. Rosenmüller, trifft letzteres zu. Halb so schlimm. Bergab geht es eher mit dem, der keine Einfälle hat. Wir sehen: Frosch- oder Vogelperspektiven, extreme Nahaufnahmen, grobkörnige Bilder, Farbfilter, verfremdete Töne. Ständig scheint er zu rufen: Seht mal, wie kreativ ich bin! Seht mal, wie gut ich meinen David Lynch kenne!

Nach einem Waldbrand wird ein Ertrunkener im Taucheranzug gefunden - nur gibt es weit und breit keinen See. Der Mann muss vom Himmel gefallen sein. Ein verrückter Mordfall ist das, dem noch weitere folgen. Rosenmüller hat für seinen Film Landschaften in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern gefunden, in denen sich der Zuschauer fremd und hilflos fühlt. Auf kaum jemanden ist Verlass. Selbst dem mutigen Feuerwehrmann, der vom Löschflugzeug aus einen Waldbrand bekämpft, kann man nicht trauen, da Axel Milberg die Rolle spielt. Als Identifikationsfigur bleibt allein der junge Kommissar Tobias Kutschke (angenehm blass: Jens Schäfer). Er muss bei den vielen Kriminal- und Korruptionsfällen im nahen Dorf den Durchblick bewahren.

Der Film wurde von Studio Babelsberg Independents finanziert. Die Existenz dieses Kreativ-Zentrums ist, wie berichtet, angesichts der Sparzwänge in Frage gestellt. Spiritus rector Arthur Hofer hat dessen Leitung abgegeben - kurz nach der Fertigstellung des Films. Hoffen wir, dass so schräge Produktionen wie "Der tote Taucher im Wald" weiterhin möglich sind. Trotz aller Unfertigkeiten: Diese Krimigroteske weist in die richtige Richtung.Cinemaxx Potsdamer Platz, Moviemento, UCI Friedrichshain und Le Prom, UFA Treptower Park und Royal Palast

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