Kultur : Mach ihn alle!

Frederik Hanssen

Wie hätten Sie Ihren Mann denn gerne? Hart oder weich? Genau zwei Minuten braucht sich Isabella, bis Mustafa servierfertig ist. Die Italienerin weiß, wie man Macho-Muselmänner zartkocht. Darum schafft sie es nicht nur, ihren Lover Lindoro aus der Sklaverei im Harem zu befreien, sondern auch Mustafa mit seiner verstoßenen Gattin zu versöhnen. Für seine Oper von der "Italienerin in Algier" braucht Gioacchino Rossini etwas länger als seine Protagonistin zum Männer-Verführen; doch die zweieinhalb Stunden sind pure Kurzweil - wenn das Stück so rasant dargeboten wird wie jetzt im Saalbau Neukölln. Die Truppe um Regisseur David Hermann und Dirigent Friedrich Suckel hat zwar noch nicht einmal einen Namen, dafür aber jede Menge Talent. Annerose Hummel gibt eine superkesse Isabella, die sich alles erlauben kann: Diese Frau hat weder Angst vor Kerlen noch vor hohen Tönen. Hyeong-Joon Ha trumpft als ihr Gegenspieler Mustafa zuerst auf, als wäre er Mafia-Boss in einem Hongkong-Thriller, und bleibt dann doch so schlaffisoft wie sein (klanglich exzellenter) Eunuchenchor.

Die Geschichte spielt - wie könnte es derzeit anders sein - in den Siebzigern. Doch was sonst oft bemüht witzig wirkt, funktioniert in Franziska Waldmanns siffiger Bungalow-Bühnenwelt, weil Regiseur Hermann auf die Musik hört und das schrille Spiel nie ganz auf die Blödelebene abkippen lässt.

Gesungen wird deutsch: Das klingt zwar manchmal etwas querständig im Ohr, ist aber völlig in Ordnung, weil es bei einer opera buffa nun einmal nichts Wichtigeres gibt, als dass die Leute den Text verstehen. Zumal Günter Rennerts Libretto-Übersetzung wirklich jede Menge freiwillige wie unfreiwillige Komik versprüht. Wunderbar spritzig klingt auch, was die Musiker unter Suckels Leitung im Orchestergraben zaubern: entspannt und locker der Sound, stets mit Verve vorangetrieben vom flotten Puls der Komödie. So wie man sich Rossini eben wünscht.

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