Kultur : Mach mir den Kinski

Schön billig: Die Filmreihe „Planet B“ bietet Trash pur

Frank Noack

„Plan 9 From Outer Space“ lautet der Titel des nach Expertenmeinung schlechtesten Films aller Zeiten. Inszeniert hat ihn Ed Wood, der nach Expertenmeinung schlechteste Regisseur aller Zeiten. Wenn nun eine Filmreihe mit dem Titel „Planet B“ angekündigt wird, scheint alles klar zu sein: Hier wurde versucht, vorsätzlich misslungene Kinoware zu präsentieren, die das Publikum mit unzähligen Pannen und grauenhaften darstellerischen Leistungen zum Lachen bringen soll.

Was Ed Wood (nicht) konnte, das können wir schon lange, scheinen sich die Macher gesagt zu haben. Irrtum! Die Produktionsfirma Checkpoint Berlin hat richtige Profis engagiert. Thomas Fricks „Detective Lovelorn und die Rache des Pharao“, Christoph Gampls „The Antman“ und Markus Gollers „Mask Under Mask“ sind liebevoll gestaltete Low-Budget-Produktionen, für die exotische Schauplätze mit Phantasie und Können in Babelsberg nachgebaut wurden. Dubiose Talente wie Götz Otto (James Bond-Bösewicht), Eva Hassmann (Ehefrau von Otto) und Yasmina Filali (Ex-Freundin von Fred Kogel) hinterlassen einen guten Eindruck. Clevere Nachwuchskomponisten imitieren Nino Rota und Ennio Morricone. Um Kolportage handelt es sich zweifellos, aber um gut gemachte. Und: Unfreiwillige Komik gibt es keine.

Genau da liegt das Problem. Die „Planet B“-Filme sind von klugen Menschen gemacht worden, auf die man nicht schadenfroh herabblicken kann, weil sie sich von vornherein zu wenig ernst nehmen. Man kann nicht über sie lachen, leider kann man auch nicht so richtig mit ihnen lachen. Es dominiert eine sanfte Selbstironie. „Detective Lovelorn“ ist eine gewagte Mischung aus Film Noir und Wüstenabenteuer und orientiert sich an dem Hollywood-Blockbuster „Die Mumie“, mit wesentlich interessanteren Figuren. Misel Maticevic beeindruckt als unrasierter Titelheld, halb Bogart und halb Indiana Jones, der von Paris aus gegen einen auferstandenen Pharao (Reiner Schöne) kämpft und nebenbei von einem süßen blonden Luder (Eva Hassmann) an der Arbeit gehindert wird. Horst Buchholz, der sich für nichts mehr zu schade ist, chargiert hinreißend als Nobelpreisträger Svedenborg, der von einer Irrenanstalt aus den Detektiv unterstützt.

Vollständig in der Wüste spielt „The Antman“, eine Hommage an Sergio Leone und Sam Peckinpah. Der Held Don José (Götz Otto) und seine Geliebte Bella (Yasmina Filali) kommen in ein mexikanisches Dorf, über dem ein Fluch liegt. Der Ameisenkönig hat Bella zu seiner Königin ausersehen, und Don José muss sie retten. Hier wird lustvoll das Genrekino der sechziger Jahre wiederbelebt: Lars Rudolph als Ameisenpriester (!) macht den Kinski, und Elisabeth Volkmann gibt eine böse alte Schachtel nach dem Vorbild von Elisabeth Flickenschildt.

Mehr als nur Kolportage hatten die Gestalter von „Mask Under Mask“ im Sinn. Ihr Film spielt zwar im Mittelalter und in Paraguay, also ganz weit weg. Porträtiert wird jedoch eine dem Schönheitswahn verfallene Gesellschaft, ein aktuelles Thema. Wer nicht perfekt aussieht, wird in die Verbannung geschickt – in die verschlammte Unterstadt. Ausgerechnet der arrogante schöne Fürst (Anatole Taubman) verliert sein Aussehen und sieht die Welt plötzlich mit anderen Augen. Vom Potenzial her ist das der stärkste Beitrag zu der Reihe.

Bei allen drei Filmen handelt es sich um beachtliche Talentproben. Das Können ist vorhanden, die Konzepte lassen zu wünschen übrig. Um das Publikum zu fesseln, muss Kolportage ernst gemeint sein. Man muss um die Guten zittern und die Bösen hassen. Allgemein fehlt dem gegenwärtigen Genrekino der Mut zur Humorlosigkeit. Das Projekt „Planet B“ sollte unbedingt fortgeführt werden. Aber bitte erst nach intensiven Krisensitzungen.

CineStar Hellersdorf, Royal, Zoo-Palast

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