Kultur : Mach nur einen Plan

Mit atemloser Spannung erwartet wird der Abschlussbericht der Berliner Schlossplatzkommission am heutigen Mittwoch nicht eben mehr. Zu lange bekannt sind die Hauptpunkte, auf welche die Kommission sich (mit knapper Mehrheit ) geeinigt hatte: Nutzung des Gebäudes durch Museen und Bibliothek, ein Bau in der Kubatur des Schlosses, die Fassade im barocken, möglichst originalen Stil. Klaus-Dieter Lehmann, Chef der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, hatte der Kommission mit dem Vorschlag, die Dahlemer Museen in die Berliner Mitte zu verlegen, bereits die entscheidende Vorlage geliefert. Und dass sich das Gremium auf ein Gebäude in der Kubatur des Schlosses einigen würde, war nach seiner Zusammensetzung zu erwarten. Ebenso wenig verwundert, dass einige Aufrechte wie Peter Conradi, Präsident der Bundesarchitektenkammer, bis zuletzt an ihrer Ablehnung einer Schloss-Lösung festhalten würden.

Conradis Protest, den dieser seit der Dezember-Entscheidung für die Schloss-Fassaden laut und anhaltend vorträgt, sorgt in den letzten Tagen vor der Vorstellung des Berichts für Unfrieden - und überdeckt, dass das wirkliche Problem der Kommission nicht in der ästhetischen Entscheidung für diese oder eine andere Fassade liegt, sondern in der ungeklärten Situation in Berlin-Mitte. Denn solange nicht klar ist, was aus dem Staatsratsgebäude, was aus dem Palast der Republik und was aus dem Marstall wird, kann über ein Gesamtkonzept "Historische Mitte Berlin" kaum entschieden werden. Gewiss, die Kommission hat Vorschläge gemacht: Der Palast der Republik soll abgerissen, einige Bestandteile in den Neubau "integriert" werden. Das Staatsratsgebäude soll bis zur Fertigstellung des Schloss-füllenden "Humboldt-Forums" als Informationszentrum, danach als Teil einer öffentlichen "Agora" genutzt werden. Und im Marstall sollen die Teile der Zentralen Landesbibliothek, die im Schloss keinen Platz finden, unterkommen. Das ist noch nicht der Weisheit letzter Schluss. Im Gegenteil, fast eine Notlösung: Als sich herausstellte, dass im Schlossgebäude wesentlich weniger Platz sein würde als angenommen, wurden Teile des Inhalts kurzerhand in die Umgebung ausgelagert. Dagegen erscheint der Plan, das Staatsratsgebäude als private Management-Akademie zu nutzen, vor allem dem verarmten Land Berlin überzeugender: Das kostet nichts und bringt Sachverstand und Leben auf den Platz. Pech nur, dass der Vorschlag für die Kommission zu spät kam, um noch sinnvoll diskutiert zu werden. Solange noch neue Pläne für die Nutzung des Areals auftauchen, kann auch der Abschlussbericht der Kommission nur ein Anfang sein. Von der Frage, wer das alles wann bezahlen soll oder kann, ganz zu schweigen.

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