Kultur : Macht der Zeichen

Schönheit eines Hubschraubers: Bettina Pousttchi stellt bei Buchmann aus

Christiane Meixner

Zwei Hubschrauber schweben am dunklen Himmel, Fallschirmspringer gleiten durch die Luft, die aufgeladen scheint wie kurz vor einem Gewitter. Vor den acht großen Fotografien, die außerdem Kampfjets und Hubschrauber zeigen, liegen verbogene Absperrgitter, und man wüsste schon gern, wie sich diese Einzelheiten zu einer plausiblen Geschichte zusammensetzen lassen.

Geschichten aber erzählt Bettina Pousttchi keine – weder in ihrer wuchtigen Arbeit „Black Out“ (25 000 Euro) noch in der Fotoserie „Parachutes“ (6er-Edition, 6000 Euro), die auch der Ausstellung den Namen gibt. Beides sind Fragmente der Wirklichkeit, die die Künstlerin allerdings so willkürlich isoliert und verfremdet, dass man sie nicht mehr zuordnen kann.

Die Fotografien: Impressionen einer harmlosen Flugschau oder doch eher Dokumente aus einem technologisierten Krieg? Die Installation: abstrakte Skulptur oder Überbleibsel einer Demonstration, die allen Sicherheitsmaßnahmen zum Trotz eskaliert ist? Welcher von diesen changierenden Eindrücken schließlich überwiegt, hängt nicht zuletzt von der persönlichen Verfassung des Betrachters ab, der ab seinem Eintritt in die Galerie Buchmann involviert ist: Denn auch die Arbeiten korrespondieren miteinander, und der Betrachter gerät mitten in ihren Dialog.

Bettina Pousttchi interessiert sich seit ihrer Zeit an der Düsseldorfer Kunstakademie, wo sie bei Gerhard Merz und Rosemarie Trockel studierte, für Schnittstellen. Umgesetzt werden sie in Bildern, die ein diffuses Gefühl erzeugen und in installative Ausstellungen voller ambivalenter Eindrücke integriert sind. Für Staunen sorgt in „Parachutes“ die erhabene Schönheit der Flugformationen am leuchtenden Horizont, den die Künstlerin nachbearbeitet hat und der nun dramatisch wie ein barockes Gemälde wirkt. Oder wie ein Plakat aus den späten dreißiger Jahren, das an die Emotionen appelliert und etwa für die Wehrmacht werben soll.

Die digitalen Manipulationen der Künstlerin sind allerdings so offensichtlich, dass sich ein Unbehagen einstellt. Gerade weil das Konstruierte erkennbar bleibt und sich die Motive bei Nahsicht in lauter Farbpunkte aufzulösen drohen, resultiert daraus fast unmittelbar die Frage, mit welchen Mitteln ein Bild Einfluss auf Empfindungen nimmt – und mittelbar, wie Repräsentation funktioniert und welches die Sprache der Macht ist. Ihre Zeichen jedenfalls sind die Hubschrauber, Kampfflugzeuge und Absperrgitter.

Pure Ästhetik, politischer Clash. Beides prägt die Arbeiten der 1971 geborenen Künstlerin, die vergangenes Jahr am selben Ort eine komplexe Videoinstallation gezeigt hat, in der man bloß die Beine und schwarzen Stiefel zahlloser uniformierter Polizisten sah. Ihre Bewegung auf den Monitoren erfolgte ohne jede sichtbare Ordnung und war von einem seltsam dumpfen Sound begleitet. Beides wirkte ebenfalls seltsam uneindeutig und hinterließ den Eindruck, als könne sich die angespannte Situation schlagartig verändern und jeden Moment etwas passieren.

Diesmal hat sich Bettina Pousttchi auf die brachiale Installation, einen im Boden verankerten Poller aus glänzendem Metall und acht Einzelbilder beschränkt. Dass sie als heterogene Serie hängen und tatsächlich während einer Flugschau aufgenommen wurden, setzt einen ähnlichen Prozess in Gang wie zuvor das Video: Man begreift die Fotografien als Teil eines Ganzen, dessen narrative Elemente man möglichst nachvollziehbar zusammenfügen möchte.

Solche Settings sind wichtig für die individuellen Erinnerungen und Imaginationen, aus denen die Künstlerin zu schöpfen versucht. Als Reservoir dient ihr die Fülle medialer Eindrücke, die jeder im Alltag unbewusst speichert. Wie groß diese Menge ist und dass sie auch als Dispositiv der Wahrnehmung fungiert, wird einem angesichts der vielfältigen Assoziationen klar, die acht stille Bilder und ein paar schwarz gefärbte Absperrgitter auslösen können.

Galerie Buchmann, Charlottenstraße 13; bis 22. September, Dienstag bis Sonnabend 11–18 Uhr.

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