Kultur : Macht ist lächerlich - Deutsche Oper Berlin

S. M.

Nur die Hornissen stechen das Publikum noch nachhaltig. "Idiot! Buh! Bravo!" - schwirrt es durch die ausverkaufte Deutsche Oper Berlin, nachdem auf der Bühne die Magier im Dienst des Baal, die der Regisseur Hans Neuenfels als Insekten sieht, komisch mit den Hinterteilen gewackelt haben.

Zum zweiten Mal der neue "Nabucco", dessen Premiere Aggressionen freigesetzt hat, wie sie nicht nur Neuenfels "Angst machen" können: Alexandru Agache, am vergangenen Samstag in der Titelrolle Sänger mit Stimmverlust, erfreut sich nunmehr wie alle anderen freundlichen Beifalls. "Dem jüdischen Leben" gewidmet, erreicht die Inszenierung einen Moment genialer Verfremdung, ganz im Geist des Verdischen staccato, wenn die Leviten den Ismaele verbannen: diese gehüpfte "Reise nach Jerusalem", Ausgrenzung eines Menschen aus der Gemeinschaft - ein Kinderspiel! Solchen Eingebungen ist zu verdanken, dass Neuenfels zur Diskussion mit den Zuschauern begeistert empfangen wird. Naturgemäß bekennt er, die Oper als Medium zu vergöttern. Wer sich hier fragend ans Mikrofon stellt, will nicht pöbeln, sondern wissen: Sachliches über die orthodoxen Kostüme. Antwort: stärkstes Theaterbild. Dem Teilnehmer, der kritisch anmerkt, schon Besseres von dem Regisseur gesehen zu haben, ist nicht zu widersprechen. Auch nicht dem Exkurs des Entertainers Neuenfels über die Lächerlichkeit der Macht, die Thema seiner Inszenierung ist.

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