Kultur : Madame Bernhard

Zum Tod der Schauspielerin Eleonore Zetzsche

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Auf der Bühne, bis zuletzt. Am Wochenende gab sie noch einen Liederabend in Bochum, vorgestern ist Eleonore Zetzsche gestorben. Bochum: Das war eine ihrer Städte, und Claus Peymann über dreißig Jahre lang ihr Intendant und Regisseur. Eine große Dame des deutschen Theaters. Eine beherrschende Stimme, die man nie vergisst.

Den Mai über hat sie noch in Berlin gespielt, in Paulus Mankers und Joshua Sobols verrückter Mega-Produktion „Alma“ Unter den Linden. Sie war die alte Alma Mahler-Werfel, Eleonore Zetzsche spielte eine Tote oder Scheintote, die zum Geisterdinner lud. So etwas Geniemäßiges, Boshaft-Komödiantisches konnte sie noch behaupten, mit all ihrer Erfahrung und Theaterkraft.

In Leipzig wurde sie 1919 geboren. 1949 holte sie Bertolt Brecht ans Berliner Ensemble. Sie spielte in der „Mutter Courage“, im „Puntila“ und im „Hofmeister“. Im Jahr 2000 kehrte sie ans BE zurück, in Thomas Bernhards „Vor dem Ruhestand“. Das war ihr Stück: 1979 war sie schon in Peymanns Stuttgarter Uraufführung dabei gewesen, und sie spielte die Rolle der Vera mit großem Erfolg auch am Wiener Burgtheater. Eine fiese Frauensperson, diese Vera: gläubige Schwester und Bettgenossin eines unverbesserlichen ehemaligen SS-Mörders, Traugott Buhre und Kisten Dene waren ihre Partner.

Hans Schalla engagierte sie in den Sechzigern nach Bochum, dann begann die Peymann-Zeit: Stuttgart, wieder Bochum, und Berlin. Ihr letztes Stück hier war eine musikalische Gala (Leitung: Hermann Beil), „Leise flehen meine Lieder,“ Premiere März 2004. Gefühl und Komik – eine Hommage, die sie sich Madame noch selbst ausrichten konnte. R. S.

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