Kultur : Madredeus in der Philharmonie: Der Fado: Lachen und Weinen

Roman Rhode

Der Fado, zumindest die Idee des Genres, besitzt einen besonderen Schritt. Teresa Salgueiro führt ihn vor: Gravitätisch betritt sie die Bühne und zieht ihr üppiges Kleid nach, das die tiefschwarze Farbe von Trauer und schlichter Eleganz trägt. Hinter der Sängerin sitzen ihre Musiker. Sie haben die spärliche Instrumentierung des überkommenen, traditionellen Fado längst verworfen: Zu den zwei traditionellen Gitarren gesellen sich eine akustische Bassgitarre und ein Synthesizer. Die eigenen Texte von Madredeus aber sind klassisch geblieben. Entweder beschreiben sie den Sturm über dem großen Meer, der eine große "saudade", den süßen Schmerz, und Trauer hinterlässt; oder eine Frühlingsschwalbe, die hoch oben in den Wolken flattert, von Sehnsucht und Euphorie emporgetragen. Das Publikum atmet tief ein. Teresa Salgueiro fasziniert nicht nur durch ihre halb geschlossenen Augenlider, sondern vor allem durch ihren glockenklaren Sopran, der sich manchmal in die Höhen des Belcanto hinaufschwingt. Das multiple Saitenspiel perlt dazu in hoffnungsvoller Wehmut oder es treibt die dramatische Poesie der Lieder voran. Dass der Synthesizer sich darin bruchlos einfügt, liegt an den perfekt ausgeklügelten Arrangements. Sparsam begleitet er den Gesang Salgueiros auf dessen harmonischer Reise und liefert sphärische Klangwolken im Hintergrund. Währenddessen zieht die Sängerin, die sich im Schatten der Scheinwerfer bewegt, ihre Hände vor dem Bauch auseinander und presst sie wieder zusammen wie ein schweres Akkordeon. Auch in dieser Gestik kommt der Fado zum Vorschein, jene eindringliche Gratwanderung zwischen Schwermut und Glücksgefühl. Damit verwandeln Madredeus die Philharmonie in eine modernistische Kathedrale der Melancholie.

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