Kultur : "Männerzirkus": Das ist doch kein Leben, das Leben, das wir leben

Daniela Sannwald

Direkt an uns, ja, an uns Zuschauerinnen (!), wendet sich die TV-Produktionsassistentin Jane mit ihrem Monolog über die Männer, die sich am Ende doch nicht alle als Verbrecher erweisen, auch wenn ihre Herzen finstere Löcher sind. Ohne Grund sitzen gelassen von einem charmanten, verantwortungslosen, entscheidungsunfähigen Musterexemplar der Spezies, räsoniert Jane aus dem Off über deren merkwürdige Verhaltensweisen, während ihre Geschichte in durch Zwischentitel angekündigten Lektionen aufbereitet wird.

Karriere machen und nebenbei den Traummann finden oder auch umgekehrt, das möchte Jane gern, und als der neue Kollege Ray süß-verstrubbelt auf den Plan tritt, scheint sie ein Ziel bereits erreicht zu haben. Schon werden Kisten für die gemeinsame Wohnung gepackt. Als Ray plötzlich Schluss macht, zieht Jane zu ihrem Kollegen Eddie, einem pathologischen Womanizer, von dem sie sich Aufklärung über männliches Verhalten im Allgemeinen erhofft. Die Erzählstruktur ist das Witzigste an "Männerzirkus", dessen Verlauf dem aller romantischen Komödien gleicht. Aber wenn die Heldin sich im Bild in einen unzurechnungsfähigen, weil hoch verliebten Teenager zurückverwandelt, während sie das eigene Treiben und das ihres Geliebten gleichzeitig hellsichtig kommentiert, fühlt man sich selbst ertappt wie beim Plausch mit den Freundinnen. Auch den verlässt man gestärkt für die nächsten Runden im Geschlechterkampf, jedoch ohne die Bereitschaft zu endgültigen Maßnahmen wie zur Blütezeit des Feminismus. Und so versteht sich die Protagonistin von "Männerzirkus" natürlich als Post-Feministin.

Visuell beweist der Film einmal mehr die ungeheure Attraktivität New Yorks: Besonders mit Eddies Loft und seiner Lieblingsbar im hippen Schlachthaus-Distrikt im südlichen Manhattan haben sich die Produktionsdesigner Mühe gegeben. Die Schauplätze charakterisieren vortrefflich die Interessen der Figur: Frischfleisch, Flirts und schnelle Ficks. Nicht ganz überzeugend sind die Darsteller, abgesehen von der souveränen Ellen Barkin als pseudo-einfühlsame Talkshow-Moderatorin. Ashley Judd und Greg Kinnear als das vermeintliche Traumpaar sind beide ein wenig blass, und Hugh Jackson hat Mühe, in der Rolle des einsamen Stadtwolfes Eddie zu überzeugen. Macht aber nichts: Für einen netten Sommer-Filmabend mit oder ohne Mann oder Frau reicht es allemal.

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