Kultur : Maerzmusik: Stadt, Land, Turm

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Wer denkt bei diesem Plakat nicht an die Wilderer-Filme früherer Zeiten, als für das schönste Edelweiß noch Männerleben riskiert und Frauenherzen gebrochen wurden? Nun, ganz so folkloristisch meint es die Maerzmusik in ihrem sechsten Jahrgang nicht. Das heißt: Eigentlich hat ihr Motto „Alpenmusik – Stadtmusik – Turmmusik“ gar nichts Folkloristisches im Sinn, sondern vielmehr „Lokales“, in Anlehnung an den Komponisten Walter Zimmermann, der vor gut 20 Jahren der sumpfigen Rede von der „Volksmusik“ den Begriff der „lokalen Musik“ entgegensetzte. Maerzmusik 2007 – eine Recherche zwischen Ländlichem und Städtischem, zwischen Gipfeln und Ballungsräumen, tönender Natur und dem Krach der Zivilisation.

Strahlender Laune illustrierte Festivalleiter Matthias Osterwold gestern im Haus der Berliner Festspiele sein „offenes“ Konzept. 15 Uraufführungen stehen zwischen dem 16. und dem 25. März auf dem Programm, rund 11 000 Besucher werden erwartet. Konstanten finden sich beim Musiktheater (mit Stücken von Raymond Pettibon, Heinz Reber, Jennifer Walshe und Mela Meierhans), in der Sonic Arts Lounge (u. a. mit einer Orgelkomposition von Hermann Nitsch) sowie in der Reihe Querklang, dem experimentellen Komponieren von Berliner Schülern. Ein Orchesterkonzert unter Johannes Kalitzke gratuliert der israelischen Komponistin Chaya Czernowin zum 50. Geburtstag, Klaus Langs „fichten“ erleben ihre deutsche Erstaufführung, Porträts widmen sich Stefano Gervasoni und Luigi Nono. Moritz Gagerns „Babylonische Schleifen“ erobern außerdem den Berliner Fernsehturm, und den Preis für den schönsten Ensemblenamen bekommen schon jetzt die „Fränzlis da Tschlin“ aus dem Unterengadin. Leisten können sich die Berliner Festspiele dieses opulente Programm u. a. mit Hilfe der Schweizer Kulturstiftung Prohelvetia, 1938 übrigens zur „geistigen Landesverteidigung“ gegründet. Le.

Informationen: www.maerzmusik.de

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