Kultur : Mäuschen spielen

ELFI KREIS

Es raschelt und trippelt im Foyer der Akademie der Künste.Laut und deutlich ist das Knurpsen, Knuspern, Schnüffeln zu hören.Neugierig folgt man der Klangspur.Unter der Freitreppe entdeckt man die verborgene Geräuschquelle: ein runder Tisch.Auf ihm stehen ringsum Gläser mit Mäusen.Unwiderstehlich wird der Drang, unter der Tischplatte nachzusehen.Gerade dort machen sich die munteren Nager besonders lautstark bemerkbar.Die Tiere auf dem Tisch hingegen sind mausetot.Sie schwimmen in Formalin und dienten gentechnischen Tierversuchen.Mit Steuerungskabeln, die an Nabelschnüre oder Schwänze erinnern, sind die präparierten Mäuse strahlenförmig mit Computermäusen verbunden.

Für ihre Klangskulptur "Mausoleum" hat Christina Kubisch statt Hausmaus oder Zwergmaus deren elektronische Vettern belauscht.Mus muskulus Microsoft oder Mus minutus Desktop Apple sind die Urheber der akustischen Aktivitäten mit der Maus.Die Technik leiht der Natur täuschend lebensecht klingende Stimmen.Doch ist die Komposition aus hektischem Mausklick und knarzendem Rollen von artifizieller Natur.

Christina Kubischs Klanginstallationen haben einen unüberhörbar zeitkritischen Grundton.Wissenschaftliche Experimentierlust und spielerischer Forscherdrang zeichnen ihre sinnlichen Transformationen von Wirklichkeit aus.Kubisch nahm 1987 an der documenta 8 in Kassel teil, war Gastprofessorin an der HdK und wurde vergangenes Jahr zum Mitglied der Berliner Akademie der Künste ernannt.

Kubisch arbeitet stets ortsbezogen.Mit "Mausoleum" gibt sie eine besonders kongeniale Antwort auf die vorgefundene, schwierige Raumsituation.Nach Daniel Spoerri und Hans Schimansky ist Christina Kubisch die dritte in der Reihe "Sehen und Denken".Das erste, was ein Besucher dachte, der die beiden ersten Folgen sah: am Hanseatenweg muß arger Platzmangel herrschen.Weshalb sonst sollte die Akademie Arbeiten von Mitgliedern und Gäste wie in einer Abstellkammer im hintersten, toten Winkel verstecken? "Mausoleum" aber macht aus der Not eine Tugend.Mäuse tanzen nun mal am liebsten auf dem Tisch.Nur kann man kaum von allen Künstlern künftig erwarten, das sie Mäuschen spielen (als nächste: Hermann Pitz, Frank Badur).

Akademie der Künste, Hanseatenweg 10 bis 17.Januar; täglich 10 - 19 Uhr.Leporello 5 DM.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben