Kultur : Mäzen James Simon: Fehler im Masterplan

Langsam schiebt sich die Museumsinsel in das Bewusstsein der Öffentlichkeit. Aber ist das große steinerne Schiff in der Spree schon dort angekommen, wo es hingehörte - sagen wir: an dem Ort, den man gerne und herzlich ungefähr mit der Formel vom "deutschen Louvre" umschreibt? Gut, es tut sich etliches. Es gibt den Masterplan, den beschlossenen Anbau am Neuen Museum, die Aussicht auf die volle Finanzierung der Baukosten durch den Bund.

Dennoch scheint Berlin, die Stadt, wie - erst recht - die Hauptstadt, noch weit entfernt davon zu sein, begriffen zu haben, was dieser Museumskomplex in ihrer Mitte für sie bedeutet. Da verfügt man über die schöne Rotunde im Alten Museum, das "Allerheiligste" der Stiftung Preußischer Kulturbesitz - wie Peter-Klaus Schuster, der Generaldirektor der Staatlichen Museen, sie apostrophierte -, da wird James Simon, der Mäzen, der wie kein anderer mit seinen Schenkungen zu diesem Museumskomplex beigetragen hat, zu seinem 150. Geburtstag in einer Gedenkfeier gewürdigt, in durchaus angemessener Form, von Schuster selbst und von dem Simon-Biografen Olaf Matthes. Aber wie dürftig, wie unbeflügelt blieb diese Festveranstaltung! Dabei war dieser James Simon eine der großen Gestalten dieser Aufstiegszeit Berlins, die der Stadt für ein paar Jahrzehnte das Profil eines großen, ausstrahlenden Gemeinwesens gab. Er war der glänzende Vertreter eines Bürgertums, das wir von heute aus nur mit Bewunderung sehen können, weil es so völlig hinter dem Horizont der Zeiten verschwunden ist - Baumwolle für ganze Europa, Antiken-Passion, Kunstliebe und Ferienkolonien. Und, nicht zuletzt, war er einer von denen, in denen die deutsch-jüdische Symbiose nicht Legende, sondern Wirklichkeit war. Für Leute wie ihn ist, unter anderem, das Jüdische Museum gebaut worden, das vor zwei Wochen eröffnet wurde. Da waren sie alle da. Und hier? Schütter besetzte Reihen, die bekannten Verdächtigen aus den Kreisen der Museums-Liebhaber, kein Zeichen der Repräsentanten von Stadt und Staat, dass sie wüssten, was da begangen wurde.

Und noch ein weiterer Faden bleibt unaufgenommen. Er führt zurück in die Zeit der Teilung. Es ist der Erinnerung wert, dass man auch damals auf der Museumsinsel, also im "Osten", um Simons Gedächtnis bemüht war - zum Beispiel mit einer Ausstellung zum 50. Todestag 1982, vorbereitet von Irene Geismeier, der rührigen Direktorin der Gemäldegalerie. Einen Überfluss an Traditionen, die wiederaufgenommen, ja, wiederhergestellt werden müssten, hat Berlin ja gerade nicht. Trotz der Ausstellungen, die die einzelnen Museums-Abteilungen zu Ehren von Simon gegenwärtig veranstalten: Hier wurde eine Chance vertan.

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