Kultur : Mäzene, nicht Sponsoren

Bernhard Schulz

Sponsoren sind eine Erscheinung jüngeren Datums, das Engagement der Wirtschaft für kulturelle Dinge freilich reicht weiter zurück. Sein fünfzigjähriges Bestehen konnte der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) unlängst feiern. Rund 400 Unternehmen und Einzelpersonen agieren als Mitglieder und küren - als sichtbarstes Zeichen der Ausrichtung auf die Gegenwartskultur - die alljährlichen Preisträger des Kulturkreises. Zum Jubiläum hat sich der Kulturkreis eine Festschrift spendiert, mit der er aparterweise zwei ausgewiesene Kritiker einer allzu herzlichen Verbindung von Kultur und Wirtschaft beauftragt hat, Walter Grasskamp, der sich seit Jahrzehnten mit spitzer Feder zum Kulturbetrieb äußert, und den 34-jährigen Wolfgang Ullrich.

Herausgekommen ist eine chronologisch gegliederte Kulturgeschichte - vor allem der westdeutschen Nachkriegszeit, in der der BDI-Preis anfangs Breitenwirkung besaß, allmählich aber in der reicher und reicher blühenden Förderlandschaft zurücktrat. Das Schwergewicht der Preisvergabe wanderte von Literatur und Musik stärker zur bildenden Kunst. Nach der Wiedervereinigung engagierte sich der Kulturkreis - untrennbar mit Namen wie jenen von Arend Oetker und Bernhard von Loeffelholz verbunden - stark in den neuen Ländern. Nein, Sponsoren sind es nicht, die da mit spürbarer Leidenschaft Kultur fördern, sondern Mäzene nach alter Tradition. Genau dieses Unzeitgemäße verheißt dem BDI-Kulturkreis eine lange Zukunft.

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