Kultur : Magda was here

Eine

-

von Jan SchulzOjala

Papstwahl hin, Weltjugendtag her: In unseren alles in allem eher gottlosen Zeiten weiß wohl nur noch der Brockhaus, was ein Sakrileg ist. Ein ganz, gaaaanz altes Wort nämlich: die „früher übl. Bez. für die Entweihung hl. Orte oder Sachen durch Schändung oder Raub oder tätl. Angriffe gegen geweihte Personen“. Womit auch gemeint sein kann: „Diebstahl oder Beschädigung von dem Gottesdienst gewidmeten Gegenständen sowie Störung der Religionsausübung“.

Ach Gott, da kommt schon einiges zusammen. Wenn verarmte Gemeinden ihre Kirchen wochenlang ebenso flächendeckend wie geldbringend etwa mit sexy Werbung für Markenunterwäsche verhüllen, dann könnte, das sei hier mal ein wenig fundamentalistisch gefolgert, gemeindekirchenratsseits vielleicht nicht gleich der Tatbestand der Schändung, so doch zumindest einer gewissen Entweihung erfüllt sein. Und wenn, wie in den Fünfsterne-Gotteshäusern dieser Welt, die allüberall zur Kasse gebetenen, zwischen Kordeln vorantaumelnden Touristenherden eifrig fotografierend und filmend an Piktogrammen vorbeitrotten, die das Fotografieren und Filmen eindeutig verbieten – könnte solches Tun, brockhäuslerisch nachgefasst, nicht auch die sog. Relig.-Ausübung empf. stören, wenn nicht gar unmögl. machen?

Wie gut, dass es auf unserem blassblauen Planeten noch Orte der reinen Lehre gibt. Nicht gerade in der Kathedrale zu Lincoln, Winchester, wo seit Montag Hollywoodstar Tom Hanks nebst 599 weiteren Personen mit der gewisslich skrupulösen Verfilmung von Dan Browns Bestseller „Sakrileg“ befasst ist – weshalb das Gotteshaus bis Freitag, wie dpa vermeldet, „für Touristen“ leider geschlossen bleiben muss. Wohl aber in der Londoner Westminster Abbey: Deren Verantwortliche hatten den Dreh in ihren Mauern wegen „theologischer Bedenken“ abgelehnt. Schließlich fahnden die „Sakrileg“-Helden auch in jenem Gotteshaus nach Belegen für die These einer Geheimloge, der unsterbliche Gottessohn Jesus habe sich, gemeinsam mit Maria Magdalena, selber als Erzeuger eines Sohnes höchst irdisch verewigt.

Doch nicht nur solch gotteslästerliche Theorien, sondern auch weitaus profanere Sorgen treiben die britischen Kirchenmänner um, deren Schätze nun ins gleißende Licht der Bestseller-Verfilmung geraten. Diebstähle und Vandalismus fürchten sie an den sakralen Originalschauplätzen des Romans, dessen Lichtbildversion nächstes Frühjahr in die Kinos kommen soll. Was, wenn unzählige Nachschaulustige alsbald Altar-Pokale mitgehen lassen oder womöglich „Magda was here“ in die Wände ritzen?

Sakrileg! Die Kuratoren der schottischen Rosslyn Chapel immerhin, demnächst Schauplatz weiterer „Sakrileg“-Arbeiten, die erneut zur mehrtägigen sakralen Untauglichkeit eines Gotteshauses führen, haben bereits vorgesorgt. Die Filmproduzenten werfen umgerechnet rund 150000 Euro in ihren Opferstock. Womit sich später zumindest die gröbsten touristischen Verewigungsbedürfnisse tilgen lassen sollten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar