Kultur : Maggi-Würze

JULIA REHDER

Ein Dachboden mit Spinnweben, Flöhen und dem maroden Charme verblaßter Kindheitserinnerungen.Diesmal traut sich Pixie allein in die verstaubten Gewölbe.40 Jahre sind vergangen, seit sie mit ihrem Vater Pix zusammen aufgetreten ist.Die Requisiten von anno dazumal haben ihre Faszination jedoch nicht eingebüßt.Auf die Reise zurück in die Vergangenheit nimmt sie das Publikum mit.Sie, das ist Brigitta Altermann, bekannt als der resolut-schnippische Part des Frauentrios Wilde Mischung.Doch mit ihrem Concerto Paletti tritt sie diesmal in der Solo-Packung auf."Concerto duo - ich allein", kündigt sie an und verrät schon die Mogelpackung.Mal ist sie Pix, mal ist sie Pixie.Spielend rast sie hin und her.Gibt sich kindlich ohne naiv zu sein und mimt den großen Musikexzentriker Pix, auf dessen Leiter zum Erfolg sie artistische Kunststücke vollführt.Genießerisch und zuweilen melancholisch hängt sie ihren Kindheitsträumen nach: Eine lapprige Säge wird als Musikinstrument umfunktioniert.Besen und Luftpumpe rufen erstaunlich melodiöse Töne hervor.Gleichzeitig bearbeitet sie zwei Geigen - ein Kinderspiel.Oder lag es an ihrem hausmännischen Geheimtip? Die Saiten hat sie vorher mit Maggi-Würze eingerieben.Das Glas-Löffel-Geklimpere paßt vorzüglich zum feurigen Flamenco - eine Nachahmung, die bei Spanienkennern Brechreize hervorrufen würde.Trotzdem: als Solistin schafft Brigitta Altermann kein abendfüllendes Programm.Selbst die einstündige Inszenierung (im Theater am Winterfeldtplatz, bis 8.November) rutscht mitunter in Klamauk ab.Nur die einfühlsamen Texte von Lilly Walden können Schenkelklopfer-Reaktionen dann verhindern.Kurzum: Concerto Paletti bietet musikalische Phantasien für den Augenblick.Sobald sie verstummen, verblassen sie auch.Klangkörper aus Mutters Besenkammer erzeugen eben doch keinen Nachhall.

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