Kultur : Magie & Grauen

Konzerthaus: Das Minguet Quartett spielt Werke jüdischer Komponisten

Eckart Schwinger

Wenn neue Musik immer mit solch sprachmächtiger Klangrede und mitreißender Schwungkraft gespielt würde wie vom Minguet Quartett, müsste man sich über ihre Resonanz keine Sorge machen. Der hohe Anspruch des jungen Ensembles ist schon daraus ersichtlich, dass es nicht aus den Stimmen, sondern aus den Partituren spielt – also mit Blick auf das Ganze. Der vom Verein zur Förderung jüdischer Musik veranstaltete Abend des Düsseldorfer Quartetts im Konzerthaus vereinte Werke von Josef Tal bis zu Georg Katzer und Alfred Schnittke. Zwei Streichquartett-Erstlinge jüdischer Komponisten eröffneten das Programm. Dass Josef Tal (geb.1910) zu den bedeutendsten Komponisten Israels zählt, verdeutlicht schon sein Streichquartett Nr.1 (1959). Alles, was Tal nach 1945 komponierte, resultiert aus seinen Erfahrungen mit der Elektronik. Die streng strukturierte Trauermusik für den Cellisten Pepo Weissgerber berührt durch ihre Webernsche Zartheit ebenso wie ihre scharf verdichtete Expressivität, die Schönberg nahe ist.

Auch „Summer Strings“, das 1. Quartett von Tzvi Avni (geb. 1927), zeichnet ein eigener, progressiver Gestus aus. In dieser Komposition von 1962 lässt Avni bei allen impulsiven und bisweilen schlagwerkartig attackierenden Aktionen, Verfremdungen und Verschattungen eine inspirierende spielerische Brillanz und Frische nicht zu kurz kommen. Die mal harschen Stauungen, mal überraschend mediterranen Stimmungsbilder, denen gelegentlich eine fast tonlose Stille eignet, zeigen Avnis individuellen Ton.

Zwei Parabeln nach Kafka für Mezzosopran und Streichquartett (1998) von Gabriel Iranyi (geb. 1946) erweisen sich anschließend als kleine magische Szenen, die mit bedrängenden Ausbrüchen und reich changierendem Klangspektrum um die grausigen Erzählungen „Der Geier“ und „Prometheus“ kreisen. Mit Vitalität und hintergründigen Färbungen präsentierte Bettina SpreitzRundfeldt die als Sprechgesang angelegte Solopartie, während das Minguet-Quartett auch hier durch seine suggestive Ausdruckskraft beeindruckt.

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